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Hörmal | 22.08.2021 | 07:45 Uhr

Opfer religiöser Verfolgung

Es gibt ja eine Menge Gedenktage der Vereinten Nationen. Der heutige ist vergleichsweise jung. Dabei handelt sich um ein uraltes Thema: Heute gedenkt die Weltgemeinschaft erst zum zweiten Mal all derjenigen, die aufgrund ihrer Religion oder Weltanschauung verfolgt werden. Eine Zahl mag dabei verblüffen: Weltweit leben drei von vier Menschen in Ländern, die die Religionsfreiheit einschränken.[1]

Ich muss bei dem Thema gar nicht weit schauen, weder nach China noch Afghanistan. Mir steht Gabriel vor Augen. Gabriel Fatthoui lebt heute in unserer Klostergemeinde in Duisburg-Hamborn und ist 2015 aus Syrien geflohen. Dort drohte ihm die Verfolgung durch Anhänger des Islamischen Staates, weil Gabriel und seine Familie Christen sind. Einmal, so erzählte er mir, wurde er dort mit einem Messer bedroht und konnte nur knapp einer Entführung entkommen. Die Entführer wollten so nämlich Geld von seiner Familie erpressen. So wie bei seinem Cousin, der sogar gefoltert wurde, weil er ein Kreuz als Tattoo auf dem Rücken trägt.

Gabriel war 18, als er mit seinen beiden Schwestern, seinem körperlich behinderten Bruder und seiner einjährigen Nichte nach Deutschland kam, geflohen über den Libanon, die Türkei und Bulgarien. Gabriel studiert heute Chemie, und sein Bruder arbeitet in einer Behindertenwerkstatt. Die eine Schwester ist Agraringenieurin und bearbeitet Reklamationen in einem größeren Unternehmen, und seine andere Schwester, eine ausgebildete Erziehern, kümmert sich um ihre Tochter. Ihr Ehemann ist inzwischen nachgekommen, und sie haben ein zweites Kind. Die Flucht ist sechs Jahre her und sie alle haben Anschluss gefunden in Deutschland und können ihren Glauben frei leben.

Dagegen hat sich leider weltweit die Lage in Sachen Freiheit der Religionsausübung verschlechtert. Die Einschränkungen fangen mit Blasphemiegesetzen an, die es einem Staat ermöglichen, religiöse Minderheiten zu diskriminieren. Die Religion zu wechseln, wird untersagt, wie auch religiöse Bildung. Dann gibt es Verfolgungen aufgrund von Verschwörungstheorien: Bestimmte religiöse Gruppen seien für die Covid-19-Pandemie verantwortlich. Schließlich geht es bis zu Verfolgung, Vertreibung und Ermordung.

Verfolgt werden fast immer religiöse Minderheiten. Und in dem Jahr, in dem Deutschland sein 1700 jähriges jüdisches Erbe feiert, muss auch daran gedacht werden, dass in Deutschland die längste Zeit die Juden als Minderheit diskriminiert wurden. Obwohl Religionsfreiheit bereits vor 1700 Jahren in der römischen Antike thematisiert wurde. Im sogenannten Mailänder Protokoll aus dem Jahre 313 halten Kaiser Konstantin und Kaiser Licinius gemeinsam fest:

Wir gewähren „sowohl den Christen wie auch allen übrigen freie Befugnis …, der Religion sich anzuschließen, die jeder sich wählen würde.“ [2]

Beschämend: Diese Überlegungen haben sich weltweit bis heute immer noch nicht durchgesetzt. Deswegen ist der internationale Gedenktag für die Opfer religiöser Verfolgung so wichtig. Und es gilt nicht nur der Opfer zu gedenken, sondern sich gegen Hass und jede Diskriminierung von Andersgläubigen zu stellen.

[1] Vgl.: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Auswärtiges Amt, 2. Bericht der Bundesregierung zur weltweiten Lage der Religionsfreiheit, Oktober 2020.

[2] Zitiert nach Laktanz, De mortibus persecutorum, dt.: Von den Todesarten der Verfolger, (BKV) 48.

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