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Kirche in WDR 4 | 15.03.2021 | 08:55 Uhr

Dein Reich komme

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende rum. Tja. Und ich weiß nicht, vielleicht haben Sie heute ja auch schon ein Vaterunser gebetet. Ich finde ja, das Vaterunser ist ein unglaublich praktisches Gebet. Denn im Vaterunser geht es um ganz konkrete Dinge: Zum Beispiel die Bitte um das tägliche Brot. Das bedeutet ja nichts anderes, als die Bitte darum, dass es jeden Tag einen Menschen gibt, der sich um mich Sorgen macht. Der mir was zu essen macht. Damit ich nicht allein essen muss. Damit ich nicht vereinsame. Und dass einer im Auge hat, wie es mir geht. Oder: Die Bitte um Vergebung. Da geht’s ja darum, dass ich jeden Tag zu einem gehen kann und sagen kann, hey, es tut mir leid. Das war blöd, was ich gemacht habe. Oder dass jeden Tag einer zu mir kommen kann und mir sagen kann: das was ich gemacht hab, war Driss. Sorry.

Los geht’s ja mit der Bitte um das Reich Gottes. Das soll endlich kommen: also die Lebendigkeit Gottes, sein Optimismus und seine Zuversicht, sein Trost, sein Mutmachen immer ein Stückchen mehr, jeden Tag. Und wenn ich darum bitte, dann nehme ich mich auch selbst ein Stück in die Pflicht. Ich will selbst lebendig sein. Ich will selbst optimistisch sein. Ich will selbst anderen Menschen Zuversicht vermitteln. Ich will trösten, Mut machen, einem was zu essen geben – kurz: Selbst mitmachen. Das Vaterunser sagt nämlich auch: Das Reich Gottes kommt nicht von selbst. Mein Professor Karl Heinz Menke, der hat an der Uni immer gesagt: die Gnade muss man tun, tun, tun! Und damit hatte er gemeint: Wenn Gott dich selbst lebendig macht – dann darfst du das nicht für dich behalten. Dann musst du andere Menschen auch lebendig machen.

Heute ist wieder Montag. Und auch heute stehen wieder Menschen auf, die sind verletzt, traumatisiert, verstummt, enttäuscht und verbittert. Zum Beispiel die, die von Priestern sexualisierte Gewalt erfahren haben. Und die seit Jahrzehnten den Eindruck haben: Meine Verletzungen interessiert niemanden. Und die Täter kommen davon. Zum Beispiel, weil sie eine verschworene Mauer des Schweigens geschützt hat. Und die Verantwortlichen auch. Personaler, Generalvikare, Bischöfe. Weil sie von einer Armada von Anwälten rausgehauen werden. Dein Reich komme? Wie denn? Wo denn? Das muss doch wie höhnischer Zynismus klingen.

Heute ist wieder Montag. Noch vier Tage, bis im Erzbistum Köln ein Gutachten veröffentlicht werden soll, in dem die, die nichts für Opfer sexualisierter Verbrechen getan haben benannt und zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Obs so kommt? Heute ist wieder Montag, und viele beten das Vaterunser. Sie, ich – und bestimmt auch die, die in der Kirche Verbrechen sexualisierter Gewalt verübt oder dafür verantwortlich waren, dass den Opfern keine Gerechtigkeit widerfahren ist. „Dein Reich komme.“ Heute ist wieder Montag, und wie wichtig wäre das, wenn auch diese Menschen ernst nähmen, was sie beten: Nämlich das, was sie vom Evangelium, von der Lebendigkeit Gottes verstanden haben auch tun. Dein Reich komme – das kann auch heißen: Ich bin schuldig geworden. Ich habe das Falsche gemacht. Oder das Richtige nicht getan. „Dein Reich komme.“ Ein bisschen weniger vom Bösen. Und ein bisschen mehr von Gott. Schon lange überfällig. Nicht erst an diesem Montagmorgen.


 

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