Aktuelles

Beiträge auf wdr5 

katholisch

Kirche in WDR 5 | 03.09.2019 | 06:55 Uhr

Kleidung für Schmetterlingskinder


Zugegeben: Als Kirchenhistoriker freue ich mich hier und da, wenn in alten Texten die Rede ist von schweren menschlichen Notlagen, die heute nicht mehr vorkommen. Wenn beispielsweise das Matthäus-Evangelium mahnt, Nackte zu bekleiden, dann habe ich bis vor kurzem gedacht: Na, hierzulande muss wohl keiner mehr so arm sein, dass er oder sie bei uns nackt herumlaufen muss.

Dass das aber mit dem „Nackte bekleiden“ hier in Deutschland eine ganz berührende Dimension hat, das ist mir erst vor kurzem klar geworden.

Erst der zufällige Hinweis auf eine Initiative machte mir bewusst, dass es Menschen gibt, über deren Bekleidung sich bis vor kurzem niemand tiefere Gedanken gemacht hat. Ich spreche von Kindern, die während der Schwangerschaft im Mutterleib versterben. Sogenannte Schmetterlingskinder. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt sind sie noch so winzig, dass es für sie keine Kleidung zu kaufen gibt. Oft blieben sie einfach unbekleidet. Bestenfalls konnten ihnen betroffene Eltern Puppenkleidung anziehen. Oder man wickelte sie nach der Geburt notgedrungen in ein Tuch für Operationsbestecke ein, um sie dann zu beerdigen – wenn sie überhaupt bestattet wurden. Das klingt unwürdig? Ist es auch.

Es gibt Internet-Foren, in denen die betroffenen Eltern darüber sprechen, dass das für sie eine echte Not ist. Und so ging es auch dem Ehepaar Deuser, als 2005 ihr Sohn Colin Joshua tot zur Welt gekommen war. Die beiden machten ihr Leid öffentlich. Völlig überraschend entstand daraus eine Gruppe von gleichfalls betroffenen Eltern, die seitdem für zukünftig tot zur Welt kommende Kinder Kleidung in Kleinstgrößen anfertigen – und das in Handarbeit! Die Bewegung heißt: „Aktion Schmetterlingskinder – Ein Zeichen setzen für die Würde“.

Inzwischen stellt diese Initiative den Kliniken mit Neugeborenenstationen landauf landab nicht allein liebevoll genähte Kleinstkinderkleidung zur Verfügung. Ganze „Schmetterlingskinder-Abschiedsboxen“ stehen dort bereit. Darin finden sich auch Informationsmaterialien für die Eltern mit hilfreichen Kontaktadressen und Orientierungen rechtlicher Art.

Überwältigend sind die Reaktionen auf dieses Angebot. Immer wieder bekunden betroffene Eltern, wie sehr die Kleidung ihnen geholfen hat, ihr verstorbenes Kind als einzigartigen und vollwertigen Menschen wahrzunehmen.

Inzwischen hat es die „Aktion Schmetterlingskinder“ sogar erreicht, dass die tot zur Welt gekommenen Kinder in unserem Land ein Recht darauf haben, einen Namen zu bekommen, beim Standesamt offiziell registriert und auf einem Friedhof beerdigt zu werden – allesamt wichtige Zeichen dafür, dass diese Eltern mit ihren Kleinen in die Mitte der Gesellschaft gehören und sich nicht länger in ihrer Trauer unverstanden verstecken.

„Nackte bekleiden“ – das ist eines der sogenannten „Werke der Barmherzigkeit“ und das heißt eben auch, diese Kleinstkinder in jener Würde zu zeigen, die ihnen Gott nach christlichem Glauben immer schon zugesprochen hat.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Hubertus Lutterbach aus Münster



evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen