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Kirche in WDR 4 | 01.04.2021 | 08:55 Uhr

Keine Henkersmahlzeit

Vor Jahren habe ich mal eine Ausstellung gesehen mit Henkersmahlzeiten. Ein amerikanischer Künstler hatte die Akten der Gefängnisse in den USA studiert, die die Todesstrafe vollstrecken. Ist ja in den Vereinigten Staaten bis heute leider Gottes noch Praxis. Und in den Akten steht immer der letzte Wunsch, der den Sträflingen gewährt wird – und das ist das letzte Essen, das sie einnehmen werden in ihrem Leben. Der Künstler hat die Gerichte dann – auch in der Portionsgröße – nachkochen lassen, auf diesen Gefängnis-Essenstabletts drapiert und abfotografiert. Und ich war zunächst einmal überrascht über die Portionsgrößen: riesige T-Bone-Steaks – ein ganzer Korb voll Chickenwings – Pommes-Berge. Insgesamt habe ich viel, viel Fastfood gesehen – wenig Sterneküche. Aber klar – so bitter das ist: auf die Gesundheit musste da eh keiner mehr achten.

Die Ausstellung hieß aber nicht „Henkersmahlzeit“ sondern „Last Supper“ – so erinnere ich mich zumindest. Und das überraschendste Tablett, das fotografiert war, zeigte eben nicht die halbe Ausbeute eines Fastfoodrestaurants, sondern das: fast verloren lag darauf eine Hostie. Ich denke, es war eine konsekrierte Hostie.

Der Wunsch desjenigen, der da starb. war also: noch einmal den „Leib Christi“ empfangen. In der katholischen Kirchen sagen wir dazu Eucharistie, in der evangelischen Kirche „Abendmahl“…“last supper“, eben. Heute ist der Tag, an dem weltweit das letzte Abendmahl besonders gefeiert wird – wohlgemerkt: keine Henkersmahlzeit. Aber: der Überlieferung nach wird heute an den Tag gedacht, an dem Jesus mit seinem Jüngern vor seinem Tod noch einmal ein Mahl gefeiert hat. Wie üppig das war, das wissen wir nicht – in der Soester Wiesenkirche gibt es z.B. eine Darstellung, bei der auf dem Tisch ein westfälischer Schinken liegt.

Warum Christen dieses Mahl heute noch feiern? Weil Jesus mitten in der geselligen Runde Brot und Wein genommen hat, es verteilt hat an seine Freunde und gesagt hat: Wenn ihr ab jetzt zusammenkommt und Brot und Wein teilt – dann bin ich mitten unter euch. Und nur heute, am Gründonnerstag, sagt der Priester, wenn er in der Messe diese Geschichte im Hochgebet nacherzählt „das ist heute“. Das rührt mich jedes Mal an – denn es zeigt, das passiert jedes Mal auf neue, mit jedem Mahl, mit jedem Abendmahl, mit jeder Eucharistie.

Und sie können sich nicht vorstellen, wie ich letztes Jahr gelitten habe, als ich an Gründonnerstag kein Abendmahl gefeiert habe. Das ist mir nämlich sehr wichtig – übrigens: das ganze Osterfest ist mir wichtig. Letztes Jahr war für die Mehrheit der Christen Ostern-Feiern nicht möglich. Zumindest nicht, mit Menschen versammelt in einem Raum und mit der Eucharistie. Und dieses Jahr sieht es wohl wieder danach aus. Dabei ist das mit dem Mahl-Halten so wichtig. Obwohl ich hier im Rundfunkreferat zuständig bin für die Übertragung von Gottesdiensten auch im Fernsehen: Ich finde: Diesen Moment des Abendmahls, den kann man nur schlecht einfangen mit einer Kamera. Jesus war physisch. In ihm ist Gott analog Mensch geworden, nicht digital. Und Brot und Wein teilen, das geht schwer alleine, und schlecht digital. Dafür bin ich zu sehr in Bewunderung dafür, dass Jesus uns Christ:innen gerade dieses Zeichen gegeben hat dafür, dass er weiterhin da ist: Das Essenteilen in Gemeinschaft.

Ich hoffe sehr, dass ich heute Abend einen Gottesdienst finden kann, wo ich das mit Sicherheitsabstand feiern kann, das letzte Abendmahl – das gerade keine Henkersmahlzeit war, sondern ein Mahl der Liebe. Und beides brauchen wir in diesen Tagen mehr denn je: Gemeinschaft und Liebe.

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