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Hörmal | 18.04.2021 | 07:45 Uhr

Gedenken an die Covid-Verstorbenen

Vergesst die Toten nicht!

Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier heute zu einem Gedenken an die Verstorbenen der Corona-Pandemie einlädt, dann geht es genau darum: Vergesst die Toten nicht! Und: Vergesst das Leid der Hinterbliebenen nicht!

Weltweit sind inzwischen etwa 3 Millionen Menschen an der Pandemie gestorben, davon ca. 80.000 in Deutschland. Das sind nur Zahlen. Aber jede und jeder, der einen Menschen durch Covid-19 verloren hat, weiß um die dramatischen Umstände: Als Priester habe ich im zurückliegenden Jahr mehrere Opfer der Pandemie bestattet und hatte damit auch Kontakt zu den Hinterbliebenen. Viele haben mir erzählt, wie sehr sie es zerrissen hat, dass sie den Sterbenden nicht begleiten konnten. Keine Chance – bei den strengen Auflagen in den Krankenhäusern und Altenheimen. Ich habe noch die Klagen im Ohr: „Ich wollte doch nur meinem Mann die Hand halten, wenn er stirbt. Ich wollte, dass er weiß, ich bin da.“ Manche plagen Schuldgefühle, den Verstorbenen allein gelassen zu haben bei seinem letzten Weg. Ich versuche dann zu erklären: Bitte, Sie dürfen sich keine Vorwürfe machen. Die ganzen Abstandsregeln und Hygienevorschriften sollen Sie und andere Menschen doch nur vor dem Virus schützen und dienen letztlich dem Leben allein – auch wenn hier paradoxerweise ein lieber Angehöriger stirbt. Aber: Selbst wenn der Verstand das akzeptiert – für ein Herz ist all dies schwer zu ertragen.

Was schon bei der Sterbebegleitung gilt, fand und findet seine Fortsetzung bei der Beerdigung. Auch hier widerspricht das Abstandhalten dem inneren Gefühl: Eigentlich möchte ich die Angehörigen in den Arm nehmen, möchte trösten und Nähe zeigen. Eigentlich wäre es gut, sich nach der Beerdigung noch zu treffen – aber wo, wenn alle Restaurants geschlossen sind? Und auch im privaten Kreis ist die erlaubte Anzahl von Trauernden stark begrenzt. Zwischenmenschlich bleibt viel auf der Strecke, wenn man einen Menschen in diesen Zeiten verliert. Und darunter leiden die Hinterbliebenen. Das Extremste, was ich erfahren habe, war: Niemand – war bei der Beerdigung dabei. Die Angehörigen waren noch in Quarantäne. So waren neben mir nur die Bestatterin und die sechs Sargträger anwesend. Ein trauriges Ritual – in jeder Hinsicht!

Vergesst die Toten nicht! Und: Vergesst das Leid der Hinterbliebenen nicht!

Heute soll mit dem Gedenken an die Corona-Verstorbenen ein anderes Ritual und damit ein Zeichen gesetzt werden: dass wir als Gesellschaft Anteil nehmen an der Not und Trauer der anderen. Denn das macht die Pandemie doch mehr als deutlich: Jeder einzelne Mensch und jede Gesellschaft ist verletzlich und verwundbar. Angesichts der Pandemie sind wir irgendwie neu verbunden, weltweit.

Vergesst die Toten nicht! Und: Vergesst das Leid der Hinterbliebenen nicht!

Ich hoffe, viele Menschen finden Trost beim heutigen Gedenken und dem ökumenischen Gottesdienst zuvor. Mir gibt ein Gedanke Trost, den schon der Prophet Jesaja seinem Volk Israel zugerufen hat. Das dachte nämlich: Gott hat uns verlassen und vergessen. Doch durch Jesaja antwortet Gott den Menschen (Jes 49,15f): „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, ohne Erbarmen sein gegenüber ihrem leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergisst: Ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“

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