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Hörmal | 01.08.2021 | 07:45 Uhr

Leben unter Vorbehalt

Wie sehne ich mich danach, in einem Monat Urlaub zu machen! Corona-bedingt bin ich das ganze zurückliegende Jahr nicht weggefahren. Und auch jetzt habe ich bewusst noch nichts gebucht, da ich immer noch skeptisch bin, wie sich die Inzidenzzahlen entwickeln werden – nicht nur in Deutschland. Naja – und nun steigen sie wieder seit Mitte Juli. Ist das der Anfang einer vierten Welle – samt Lockdown? Ich plane daher immer noch unter Vorbehalt, denn wer weiß schon, wie es Anfang September aussehen wird, wenn ich wegfahren will, und welches Land, welche Region dann kein erhöhtes Risikogebiet sind? Ok. Ich bin zwar zweifach geimpft, aber deswegen muss ich mich dennoch einschränken, um nicht infiziert zu werden – und damit selbst auch Virusüberträger zu werden. Urlaub geht eben auch jetzt nicht ohne erhöhte Einschränkungen und steht damit eben auch unter Vorbehalt.

Wichtiger als mein Urlaub sind aber natürlich die vielen anderen Planungen. Ich denke da besonders an die fast 2 Millionen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein Westfalen an den allgemeinbildenden Schulen. Für die gehen ja in zwei Wochen die Sommerferien zu Ende. Wie wird dann der Start ins neue Schuljahr sein? Auch hier steht alle Planung unter Vorbehalt. Und was ist mit den Menschen, die durch die Flutkatastrophe von jetzt auf gleich alles verloren haben? Das ist gerade einmal zweieinhalb Wochen her. Bei den betroffenen Menschen steht die gesamte Lebensplanung unter Vorbehalt. Wer weiß, wann sie wieder ein eigenes Dach über dem Kopf haben werden? Und wo wird das sein? An Urlaub können sie gar nicht erst denken – so wie ich das jetzt tue.

Dabei verbinde ich gerade mit Urlaub die Möglichkeit, mich weniger einschränken zu müssen, weniger unter Vorbehalten zu stehen, weniger fremdbestimmt zu sein. Früher habe ich ja gedacht, Urlaub fängt damit an, das ich etwas tue, was ich sonst nicht tue. Heute merke ich, dass es vor allem darum geht, weniger Verpflichtungen zu haben – einfach nicht unter weiterem Leistungsdruck zu stehen, dies und jenes machen zu müssen – einfach nicht müssen zu müssen und schon gar nicht immer alles möglichst sehr gut machen zu müssen. Auch wenn das manchmal selbst gemachter Druck ist, das Müssen-Müssen. Es geht darum, mich zu erholen von all dem, was mich fremd bestimmt. Und das hat wieder mit der Erfahrung der Covid-19-Pandemie zu tun, mit der Erfahrung von Naturkatastrophen: dem Leben unter Vorbehalt. Vieles bestimmt mich da fremd, und ich muss reagieren, um größeren Schaden abzuwenden. Und was das Ganze noch schwieriger macht: Je mehr ich glaube, gegen solche Fremdbestimmung geschützt zu sein, durch gute medizinische Versorgung, ein ausgeklügeltes Versicherungssystem, durch vorbeugende Maßnahmen, wie Schutzdämme oder ein Impfprogramm, um so empfindlicher werde ich getroffen, wenn dann doch etwas passiert. Es bleibt immer ein Vorbehalt, dass doch noch etwas passieren kann; es bleiben ein Restrisiko und Fremdbestimmungen.

Im Urlaub – so der Idealfall – erahne ich etwas davon, was es heißt, eben nicht so fremdbestimmt zu sein und mein Leben nicht unter Vorbehalt gestalten zu müssen. Diese Erfahrung wünsche ich allen, gerade denjenigen, deren Leben jetzt so sehr unter Vorbehalten steht, denn diese Erfahrung rührt letztlich an eine religiöse Sehnsucht: Einfach ich selbst sein zu können und nichts zu müssen.

 

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