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Hörmal | 16.06.2019 | 07:45 Uhr

Gott ist gesellig


Warum nicht?! Warum sollte Gott nicht gesellig sein? Also eigentlich konnte ich mit dem Begriff „Geselligkeit“ noch nie viel anfangen. Das klang für mich immer so spießig, ganz nach dem Motto: Eins, zwei, drei, und jetzt bitte alle nett gesellig sein. Wenn ich schon auf einem Veranstaltungsprogramm gelesen habe: „Treffen mit geselligem Ausklang“, dann war das für mich der garantierte Hinweis: Dieser Ausklang kann gar nicht gesellig werden – jedenfalls nicht nach meinem Verständnis. Denn für mich kann man Geselligkeit nicht erzwingen, sondern sie ergibt sich. Und dafür kann man bestenfalls die Rahmenbedingungen setzen. Echte Geselligkeit hat doch etwas mit zwanglosem und spielerischem Miteinander zu tun. So jedenfalls habe ich das zuletzt erlebt auf zwei sehr schönen Geburtstagsfeiern. Da kamen viele unterschiedliche Menschen zusammen, verschiedene Generationen. Kinder spielten mit den Erwachsenen, abends wurde getanzt bei guter Musik, das Essen war gut – alles prima. Die Gespräche spannend und kontrovers – nicht belanglos, sondern interessant und informativ. Alles recht kurzweilig, abwechslungsreich und im umfassenden Sinne bereichernd. Wenn, dann könnte ich mir so Geselligkeit vorstellen.

Und was hat das jetzt mit Gott zu tun?

Heute am Sonntag nach Pfingsten feiert die Kirche das sogenannte Fest der Dreieinigkeit. In der evangelischen Kirche klingt das noch etwas feierlicher: Da heißt der Sonntag „Trinitatis“. Und begangen wird an diesem Sonntag die christliche Vorstellung von dem einen Gott in drei Personen. Das kann man sich nur schwer vorstellen. Eigentlich sprengt es menschliches Denken: Wie kann man eins und drei zusammendenken? Die Christen haben sich einfache Vergleiche ausgedacht: Etwa ein Dreieck oder ein Kleeblatt. Dahinter steckte allerdings ein langes Ringen um das richtige Gottesbild: Wie kann der eine Gott gleichzeitig Vater und Sohn und Geist sein? Was unterscheidet die drei, und was eint sie? Letztendlich ist das ein Geheimnis.

Was mich daran fasziniert, ist die Vorstellung: Dreieinigkeit ist eigentlich Beziehung. Und da kommt die Geselligkeit ins Spiel. Der Schweizer Theologe und Schriftsteller Kurt Marti hat dem Gedanken ein ganzes Buch gewidmet: „Die Gesellige Gottheit“[1]. Darin beschreibt er, wie Gott immer schon im anderen lebt, voller Sorge, voll Leidenschaft, wirbt er um alle Geschöpfe.[2]

Und über die Dreieinigkeit schreibt Kurt Marti folgende Zeilen:

„Dreieinigkeit?

Ein Männerbund empören sich die Frauen.

Zu Recht.

Zu Recht.

 

Und dennoch:

entwarf diese Denkfigur

die unausdenkbare Gottheit nicht

als Gemeinschaft, vibrierend, lebendig

beziehungsreich?

Kein einsamer Autokrat jedenfalls,

schon gar nicht Götze oder Tyrann!

Eine Art Liebeskommune vielmehr,

einer für den andern,

»dreifach spielende Minneflut«

 

Mich stellt’s jedenfalls auf,

Gott als Beziehungsvielfalt zu denken,

als Mitbestimmung, Geselligkeit,

die teilt, mit-teilt, mit anderen teilt:

»die ganze Gottheit spielt

Ihr ewig Liebesspiel.«

Und insofern:

niemals statisch,

nicht hierarchisch,

actus purus,

lustvoll waltende Freiheit,

Urzeugung der Demokratie.“[3]

Ein geselliger Gott – Urzeugung der Demokratie, eben ein Bild von Gott und ein Vorbild für unsere Gesellschaft.

[1] Kurt Marti, Die gesellige Gottheit, Stuttgart 2015. [2] Vgl. ebd. S. 61f.[3] Ebd. S. 76f.

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