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Hörmal | 02.06.2019 | 07:45 Uhr

Heimat


Es ist jetzt schon über 33 Jahre her, dass ich ins Kloster eingetreten bin in meiner Heimat in Duisburg-Hamborn. Das Besondere von meinem Kloster ist: Man tritt hier ein und bleibt an diesem Ort ein Leben lang, kann also in der Regel nicht immer wieder versetzt werden quer durchs Land. Das war für mich damals wichtig. Ich hatte mir nämlich vorher andere Klöster angeschaut, wo das anders geregelt ist. Da ist man ein paar Jahre hier und dann ein paar Jahre da und wird wieder und wieder versetzt.

Ich wollte mich an einen Ort binden, dort leben und tätig sein, wo ich die Sprache der Menschen verstehe und umgekehrt: wo die Menschen mich verstehen. Warum?

Zuvor hatte ich ein Jahr in Italien studiert – eine tolle und bereichernde Zeit. Aber entscheidend für mich war: Ich stellte fest, wie schwierig es ist, sich in einer fremden Sprache angemessen auszudrücken, gerade wenn es um persönliche oder existenzielle Dinge geht, wie Gefühle, Neigungen, Erfahrungen. Gerade die Sprache und die Kultur prägen uns so sehr. Und da war es gut für mich zu erfahren und zu wissen: Woher komme ich? Und wo will ich eigentlich leben? Das hat jedenfalls damals meinen Entschluss mitgeprägt, nach Duisburg zu gehen in meine Heimat, an den Ort, der mich geprägt hat und der mir vertraut war – auch wenn ich inzwischen durchaus an verschiedenen Stellen gelebt und gearbeitet habe, weit weg von meinem Kloster. Ich weiß aber: da gehöre ich hin.

Jetzt habe ich vor einigen Tagen in einer Wochenzeitung[1] von der sogenannten „Vermächtnis-Studie“ gelesen. Und da ging es auch um Heimat. Die grundlegende Frage der repräsentativen Studie war: Was ist den Deutschen so wichtig, dass sie es nächsten Generationen weitergeben möchten? Das Ergebnis: Ganz wichtig für fast 90 Prozent der Befragten ist die Heimat. Und damit ist weniger ein Gebiet gemeint, sondern ein Gefühl, nämlich das Gefühl der Geborgenheit, der Vertrautheit. Heimat finden Menschen bei anderen Menschen, will heißen in der Familie, beim Lebenspartner oder -partnerin, im Freundeskreis, eben da, wo sie geborgen sind. Und ich würde ergänzen: Geborgen bin ich da, wo man mich versteht.

Erstaunlich fand ich dann ein weiteres Ergebnis der genannten Studie. Nur 18 Prozent der Befragten sagen: „Heimat ist für mich eine Religion, die ich mit anderen Menschen teile.“[2] Mit anderen Worten: Religion spielt als Heimat kaum eine Rolle. Ehrlich gesagt, wundert mich das auch nicht. Wenn ich nämlich einmal nach der Vorstellung von Heimat im Christentum frage, dann heißt es in der Bibel (Phil 3,20): „Unsere Heimat aber ist im Himmel.“ Puh! Sich das vorzustellen, ist ganz schön schwierig. Da ist es deutlich einfacher, mir vorzustellen: Heimat ist da, wo ich geborgen bin.

Allerdings bleibt für mich immer noch ein letzter Unterschied. Alle Heimat hier auf Erden ist letztlich begrenzt und endlich. Das Gefühl, geborgen zu sein, kann auch scheitern, wenn mein Lebenspartner oder -partnerin stirbt, der Freundeskreis sich auflöst, Familie im Streit zerbricht. Heimat muss daher für mich immer noch etwas mehr sein, als all das, was ich hier schon an Geborgenheit und Vertrautheit erfahre. Wenn der Himmel der Ort ist, wo ich voll und ganz verstanden werde – und aufgehoben bin, dann ist das doch ein wunderbares Bild für Heimat.


[1] Vgl. Die Zeit Nr. 20 vom 09.05.2019. S. 69. [2] Die Zeit Nr. 21 vom 16.Mai 2019, S. 66.

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