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Hörmal | 19.07.2020 | 07:45 Uhr

70 Jahre Zentralrat der Juden


Es war ein Samstagabend vor 5 Jahren – mitten in der Wüste in Israel. Der Sternenhimmel überwältigt uns mit seinem Leuchten und lässt etwas erahnen von der uralten Weissagung, die einst Abraham in der Bibel bekam: „Deine Nachkommen mache ich so zahlreich wie die Sterne am Himmel“.

Meine Frau und ich sind in einem besonderen Camp: Einfache Laubhütten stehen in der „Succah in the Desert“ in der Wüste verstreut. Am Abend kommen alle zusammen ins große Essenszelt, in dem herrlich lecker gekocht wird. Wir sind die einzigen Nicht-Israelis an diesem Abend und sitzen mit einem älteren Pärchen aus Tel Aviv am Essenstisch – beide Psychologen. Wir unterhalten uns angeregt auf Englisch…über Gott und die Welt – im wahrsten Sinne. Irgendwann fragt sie uns, wo wir herkommen und wir sagen, aus Köln, Deutschland. Dass wir Deutsche sind, war zuvor gar nicht Thema. Und über ihr Gesicht huscht plötzlich ein Schatten. Das Gespräch ebbt ab. Als wir das Essenszelt verlassen, spricht sie mich an: „Tut mir leid, dass ich so reagiert habe. Ihr seid die ersten beiden Deutschen, mit denen ich in meinem Leben gesprochen habe. Fast meine ganze Familie wurde in der Shoah ermordet. Ich hatte mir eigentlich geschworen, nie mit Deutschen zu sprechen. Aber ich habe euren Akzent nicht erkannt“, sagt sie und schmunzelt verlegen im Sternenlicht. Und sie fügt an „Ihr beide seid ziemlich nett - für Deutsche. Das wollte ich Euch noch sagen. Also: nehmt es nicht persönlich.“

Nein, ich hatte die Reaktion der Psychologin nicht persönlich genommen. Aber: Das hatte trotzdem gesessen. Ihre Reaktion hatte mich bewegt, als Deutscher. Sie hat mich an diesem Abend sehr klein werden lassen vor der Geschichte unserer beider Völker. „Deine Nachkommen mache ich so zahlreich wie die Sterne des Himmels“. Damals, 2015, waren 70 Jahre vergangen, seit die Deutschen 6 Millionen dieser geweissagten Sterne in den Tod geschickt hatten. An jenem Abend wurde mir nochmal persönlich hautnah klar, dass es alles andere als selbstverständlich war und zum Teil noch ist, dass Juden und Deutsche miteinander reden.

Warum ich heute von meiner Erfahrung in der Wüste erzähle? Weil heute vor 70 Jahren der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet wurde. Da waren gerade erst 5 Jahre vergangen, seit dem das Morden ein Ende hatte.

Die Bundesrepublik war gerade erst gegründet und es brauchte noch Jahre, bis sich die Deutschen schonungslos ihrer Geschichte gestellt hatten. Aber: Die Gründerinnen und Gründer des Zentrates der Juden haben auf das Gespräch mit den Deutschen gesetzt, mit dem Volk der Täter. Sie setzten ein Zeichen für das jüdische Leben, das wieder zurückkommen sollte in das Land, das auch sie ihre Heimat nannten. Gerade mal noch 15.000 Juden lebten damals, 1950, in Deutschland. Heute sind es wieder über 105.000 in 105 Gemeinden. Ich bewundere den Mut und den Großmut der Gründungsväter und Gründungsmütter des Zentralrats der Juden, damals vor 70 Jahren für eine Vision des jüdischen Lebens in Deutschland.

Nächstes Jahr feiern wir 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Schon heute, am 70. Gründungstag des Zentralrats der Juden, sage ich von Herzen: Mazel tov „alles Gute“ und „Le Chaim“: Aufs Leben!

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