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Hörmal | 06.09.2020 | 07:45 Uhr

Sonntag der Solidarität

Ein halbes Jahr ist das jetzt her, dass der Shutdown über Deutschland kam. Ich erinnere mich noch genau. Es war der 18. März, an dem Angela Merkel ihre Rede hielt und uns, die Bürgerinnen und Bürger beschwor. Wir sollten solidarisch handeln, indem wir vor allem Abstand voneinander halten und so Rücksicht nehmen gerade auf die Risikogruppen.

An diesem 18. März kam ich gerade aus Ghana in Westafrika zurück, wo ich regelmäßig an einem internationalen Priesterseminar unterrichte. Dort waren auch die ersten Anzeichen eines Shutdowns festzustellen: Der Lehrbetrieb an der Uni sollte eingestellt werden, Schulen geschlossen, öffentliche Versammlungen wie Gottesdienste untersagt werden, was vor allem Begräbnisfeiern betraf. In Ghana zählen Begräbnisfeiern nämlich zu den ganz großen Ereignissen in Familie und Stamm. Nicht selten kommen dabei mehrere hundert Menschen von weit her zusammen, um zu trauern und den Angehörigen ihr Mitgefühl zu zeigen. Ein großes Ereignis – Corona-bedingt ausgesetzt. Ein schwerer Schlag für das gesellschaftliche Leben in Ghana.

Bei meiner Rückkehr nach Deutschland war vieles von dem, was in Ghana gerade geplant war, bereits Realität geworden: Innerhalb der 14 Tage meiner Abwesenheit hatte sich hier alles total verändert. Der Shutdown hatte bereits bewirkt, dass der Flughafen gespenstisch leer war, die Straßen leergefegt, das alltägliche Leben wie gelähmt, die Schulen geschlossen und Gottesdienste abgesagt waren. Mir kam das alles surreal vor. Und nach dem ersten Schrecken dachte auch ich wie wahrscheinliche viele: Das wird schon irgendwie überschaubar bleiben. Und vor allem: Der ganze Spuk wird nicht so lange dauern.

Weit gefehlt! Nach einem relativ ruhigen Sommer sind die Ansteckungen wieder gestiegen. Und solange kein Impfstoff gefunden ist und als sicher gilt, bleibt die Pandemie eine Bedrohung und zwar eine weltweite. Und was das bedeutet, hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit bereits Ende April so formuliert: „Corona besiegen wir nur weltweit oder gar nicht.“[1]

Das heißt aber: Unsere Solidarität muss weit hinausgehen über die Grenzen Deutschlands und Europas. „Wir müssen umdenken, weltweit solidarisch handeln.“[2] Andernfalls wird das Virus „in Wellen zu uns nach Deutschland und Europa zurückkehren“[3].

Letzte Tage habe ich mit meinen Freunden in Ghana telefoniert. Die Infektionszahlen sind dort zwar noch immer nicht sehr hoch – es werden aber auch kaum Tests durchgeführt. Wenn es allerdings zu einer massiven Ausbreitung kommt, dann ist das Land nicht ausreichend dagegen gewappnet. Es fehlt an Krankenhäusern mit entsprechender Ausstattung, vor allem an Beatmungsgeräten – ja es fehlt schon an den ausreichenden Testmöglichkeiten und Labors. Die Katastrophe könnte vor allem dann eintreten, wenn das Virus mit der alljährlichen Malaria-Saison jetzt in der Regenzeit zusammentrifft – und das nicht nur in Ghana in Westafrika.

Für heute hat die katholische Kirche in Deutschland zu einem Tag der „Solidarität mit den Leidtragenden der Corona-Pandemie“[4] aufgerufen. Sie lädt ein zum Gebet aber bittet auch direkt um Spenden. Denn die großen Geldsammelaktionen der weltkirchlichen Hilfswerke sind in diesem Jahr in beiden großen Kirchen ausgefallen, weil es ja kaum Gottesdienste gab. Wichtig ist: Die evangelischen und katholischen Hilfswerke unterstützen die Menschen vor Ort in Afrika, Lateinamerika, Asien, Südosteuropa – unabhängig von Glaube und Religion. Und sie machen das, damit das viel zitierte Wort von der weltweiten Solidarität nicht leeres Gerede bleibt.


[1] BMZ, Corona-Sofortprogramm: http://www.bmz.de/de/zentrales_downloadarchiv/Presse/bmz_corona_paket.pdf.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Vgl.: https://www.dbk.de/nc/presse/aktuelles/meldung/weltkirchlicher-sonntag-des-gebets-und-der-solidaritaet-mit-den-leidtragenden-der-corona-pandemie/detail/

https://weltkirche.katholisch.de//corona-kollekte.

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