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Kirche in WDR 2 | 17.06.2019 | 05:55 Uhr

Warten

„Warte nicht auf mich.“

Sie sagt diesen Satz leise, aber klar und deutlich. Offenbar gibt es da nichts zu rütteln und nichts zu diskutieren.

Für einen Moment denkt er noch, sie würde einlenken. Ihre Hand heben. Und damit irgendetwas Tröstliches tun. Aber dann ist der Moment vorbei und nichts geschieht.

In die Stille, die sich nun ausbreitet, hinein sagt er schließlich: „Ist gut.“ Seine Stimme klingt dabei seltsam gepresst. Kein Wunder bei dem Kloß, der ihm im Hals steckt. 

Zu allem Überfluss ist das ein total bescheuerter Satz! „Ist gut.“ Blödsinn! Gar nichts ist gut! Er hat sich was eingebildet und sich zu weit aus der Deckung gewagt. So sieht‘s aus. 

Und jetzt sitzen sie hier, einander gegenüber, mit diesen Worten im Raum. „Warte nicht auf mich.“ Es ist fast wie vor ein paar Jahren schon einmal. Damals hat sie ihm eröffnet, sie würde den anderen heiraten und in eine andere Stadt ziehen.

Er selbst hat seitdem sein Leben gelebt, so ist es nicht. Irgendwann war sie aus den Augen, aus dem Sinn. So dass er auch selbst eine Beziehung gehabt hat. Allerdings - richtig gut gegangen ist das nicht. 

Dann hat er gehört, dass sie geschieden ist. Und wieder in die Stadt zurückgekommen. Als sie ihn dann sogar anruft, weiß er zunächst gar nicht, wie er das einordnen soll. Aber nach ein paar schönen Treffen und guten Gesprächen hat er das Gefühl: Da ist noch was möglich. Was anderes als damals. Was Neues. Was Schönes.

Doch nun hat sie diesen Satz gesagt: „Warte nicht auf mich.“ Dabei ist das doch genau das, was er will. Warten. Bis sie irgendwann auch so weit ist. So dass möglich wird, was er sich erhofft. Es würde ihm nichts ausmachen, wenn es bis dahin länger dauern sollte. Er hat Zeit. 

Aber - keine Chance. „Warte nicht auf mich.“

Vermutlich ist es klug, auf diesen Satz zu hören. Um ihr nicht zu nahe zu treten. Die Situation nicht komplizierter zu machen, als sie ohnehin schon ist. Und außerdem: Worauf sollte er warten? Wenn es doch offensichtlich keine Hoffnung gibt. 

Er ist ja schließlich nicht der Vater aus der Geschichte mit den zwei Söhnen. Wo der jüngere von den Beiden auch irgendwann sagt: „Warte nicht auf mich. Ich fange ein neues Leben an. Ohne dich.“

Der Vater allerdings wartet. Gegen alle Logik und allen Augenschein. Der Vater in dieser Geschichte ist halt auch nicht irgendein Mensch. Er steht für Gott. Der alle Zeit der Welt hat und sich alle Zeit der Welt nimmt. Um zu warten. Aufmerksam. Ausschauend. Mit Hoffnung ohne Ende. 

So wartet Gott, bis Menschen zurückkommen. Oder wieder ansprechbar sind. Berührbar für eine neue Liebe. 

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