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Hörmal | 24.05.2020 | 07:45 Uhr

Warum in die Ferne reisen?

Der große Sommerurlaub wird wohl ausfallen dieses Jahr. Alles wegen der Corona-Pandemie. Ich wollte eigentlich in die Toscana fahren – ich habe nämlich ein großes Faible für die Kultur dort, angefangen von der Landschaft mit den sanften Hügeln, dem Essen mit dem Wein bis hin zur Kunst. Daraus wird wohl nichts.

Aber vielleicht muss es auch nicht in die weite Ferne gehen. Wie wäre es, aus der Not eine Tugend zu machen? Ganz im Sinne eines bekannten Sprichwortes, das auf Johann Wolfgang von Goethe zurückgeht, der selbst viel herumgereist ist: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?“

Bezogen auf heute und die Folgen der Corona-Pandemie könnte das heißen: Es muss ja nicht gleich Balkonien sein. Ich muss mich ja nicht auf den kleinsten Nenner zurückziehen. Es geht ja doch noch einiges beim Reisen. Und in der Nähe liegt so viel Gutes. Sogar in der Nähe von meiner Heimatstadt Duisburg-Hamborn. Da liegen so viele Ausflugs- und Reiseziele in der näheren und weiteren Umgebung, an denen ich Neues entdecken kann.

Für mich gehören dazu die vielen Skulpturenparks in Nordrhein Westfalen – ob in Köln, Viersen, Wuppertal, Duisburg, Münster oder Marl, um nur einige zu nennen. Unter freiem Himmel sinkt bekanntlich das Ansteckungsrisiko. Und: Im öffentlichen Raum kostet der Besuch noch nicht einmal Eintritt, erschließt einem aber ganz neue Welten. Ich muss nur neugierig sein und einfach hinschauen, was ich da sehe.

In Marl zum Beispiel gibt es einen Skulpturenpark mit einem künstlich angelegten See. Dutzende Skulpturen aus dem 20. und 21. Jahrhundert stehen hier, und Sie können problemlos mehre Stunden damit verbringen, zu spazieren und zu schauen. Ich war da mal vor ein paar Jahren. Und eine Skulptur habe ich immer noch vor Augen: Ein riesengroßer Revolver als Bronzeskulptur. Verrückt nur, der Lauf des Revolvers ist zweimal geknotet. Von dieser Waffe geht offensichtlich keine Gefahr mehr aus. Und das bestätigt auch der Titel: „Non Violence“, „Keine Gewalt“.

Zu Hause habe ich dann nachgelesen: Der Künstler der Skulptur, Carl Fredrik Reuterswärd war ein schwedischer Bildhauer, der mit John Lennon befreundet war. Nach dessen Ermordung durch fünf Revolverschüsse im Jahr 1980, also vor 40 Jahren in New York, beginnt Reuterswärd mit seiner künstlerischen Arbeit an dem überdimensionierten Revolver mit Knoten im Lauf.

„Non Violence“ ist eigentlich ein unmittelbar einleuchtendes Friedenssymbol und erinnert mich an einen der zentralen Sätze aus der Bergpredigt Jesu (Mt 5,9): „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ Die Aussage passt nicht nur zum ermordeten John Lennon, sondern ist eigentlich eine bleibende Mahnung, wie der Revolver mit den Knoten im Lauf.

Übrigens: Carl Fredrik Reuterswärd hat die Skulptur als eine Serie gestaltet von 17 Objekten. Andere Revolver mit Knoten im Lauf befinden sich in Berlin vor dem Bundeskanzleramt, in Brüssel vor dem Sitz der Europäischen Kommission und in New York vor dem Sitz der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Überall ist es ein bewusst gesetztes Mahnmal für Frieden und gegen Gewalt. Und gerade das finde ich neben der Friedensbotschaft besonders klasse: Von Marl aus bin ich auf einmal verbunden mit fernen Städten. Also: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?“ Ach ja – diesen Sommer fahre ich wieder nach Marl in den Skulpturenpark. Wer weiß, mit welchen Ideen und Städten der Welt ich dann wieder verbunden werde?

 

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