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Kirche in WDR 3 | 18.04.2020 | 07:50 Uhr

Gott fasten

Es ist Mitte-Ende März und die Landesregierung hat ein Kontaktverbot beschlossen. Mehr oder minder zumindest. Ich rufe zum Familienrat. Und ich mache deutlich: Keine sozialen Kontakte mehr. Keine Geburtstagspartys. Kein Chillen im Freundeskreis. Für die Tochter: Kein abendlicher Ausflug an die Lister. Für den Sohn: Keine Fantasy-Rollenspiele mehr mit den Kumpels. Möglichst im Haus bleiben. Ich sehe verstörte, entsetzte Blicke. Und ich frage mich: Warum jetzt diese Empörung? Dieses Unverständnis? Meine Kinder machen doch sonst auch alles mit dem Handy. Keine Minute, in der sie das Smartphone nicht entweder am Ohr haben oder darauf rumhacken – selbst dann, wenn Freunde da sind. Und meine Beiden sind da wahrscheinlich nicht anders als andere in ihrem Alter. Da wird kommuniziert – ständig. Und zwar über whatsapp, über Instagramm, über twitter. Die schicken sich Sprachmemos, die skypen, die chatten. Warum also sollte das jetzt ein Problem sein, wenn dieser Modus des Miteinanders nun mal für ein paar Wochen verordnet wird?

Naja, vielleicht ist die Antwort, dass ich mir nie wirklich Mühe gemacht habe, diese Art der Kommunikation zu verstehen. Und dass da genauso gilt, was ich für jedes meiner Gespräche für selbstverständlich annehme: Dass uns im Anderen immer auch Gott begegnet – und dass wir deshalb ein Bedürfnis nach Begegnung mit anderen haben. Ich suche Gott. Ich will die Fülle des Lebens spüren. Mir reicht es eben nicht, nur Informationen auszutauschen. Ich möchte Begegnung erleben. Ich möchte die Augen sehen, die traurig werden oder fröhlich. Ich möchte die Grübchen in den Mundwinkeln sehen – und das Runzeln auf der Stirn. Ich möchte wissen, ob der andere sich mir interessiert zuwendet – oder gelangweilt abwendet. Ich möchte die Atmosphäre sehen, riechen, schmecken, hören, in der wir uns bewegen. Ich möchte diese wunderbare und reiche und volle Schöpfung erleben, die mir im anderen gegenübersteht. Und mir fehlt etwas, wenn diese Vielzahl der sinnlichen Eindrücke reduziert wird.

Das gilt auch für jenen Teil meines Glaubens, den ich in Kirche lebe. Ich möchte keine verwaltungsmäßig saubere Sakramentenausgabe – sondern ich möchte die Liebe Gottes spüren. Mit allen Sinnen. Ich kann mich eine Weile mit Fernsehgottesdiensten über Wasser halten – aber ich brauche meine Gemeinde aus Fleisch und Blut, die Menschen mit ihren Geschichten, ihren Sorgen, ihrem Lachen. Mir ist das Gespräch mit Gott wichtig – aber richtig lebe ich erst auf, wenn dabei links und rechts jemand neben mir steht, den ich kenne und den ich mag und mit ich gemeinsam loben und danken und bitten kann. Ich bin dankbar, wenn ich dem lieben Gott im Gottesdienst begegne – aber ich spüre deutlich, dass er mir vor allem in anderen Menschen gegenübertritt. In diesen Tagen merke ich das besonders. Und es bestätigt sich deshalb für mich, dass uns Gott begegnen möchte. Im Gespräch. Im Miteinander. In seinen Geschöpfen. Irgendwie hat das momentan deshalb alles etwas von Fastenzeit: „Gott fasten“, wenn man so will – sogar nach Ostern. Nicht, dass ich ganz auf ihn verzichten muss – aber schon an einigen ganz wesentlichen Stellen. Das ist nicht schön. Nur: Wie in der normalen Fastenzeit schärft auch diese Zeit die Sinne. Und wissen Sie was: Ich freue mich schon aufs „Fastenbrechen“ – auf die Zeit, wenn ich Gott wieder in meinen Mitmenschen begegnen kann. Dann ist dieses Jahr für mich richtig Ostern! Und die Freude darauf – die lässt mich auch heute wieder frohen Mutes in den Tag gehen. Dass es auch Ihnen so geht und Sie aus dem Schönen, das uns erwartet, Hoffnung und Freude und Zuversicht schöpfen können – das wünscht Ihnen Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden.

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