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Hörmal | 29.03.2020 | 07:45 Uhr

Herrgottsbescheißerle


Es gibt ja Worte, die sind ebenso köstlich wie verräterisch. „Herrgottsbescheißerle“ ist so ein Wort. Wer übers Essen in der Fastenzeit spricht, der kommt daran meist nicht vorbei. Sie kennen das „Herrgottsbescheißerle“ vielleicht unter dem Namen Maultasche – aber die Legende seiner Entstehung zeigt, warum die Schwaben ihr Nationalgericht nicht ohne Grund so nennen und warum das alles ein theologisches Geschmäckle hat.

Also: Wie kam es zur Maultausche? Nun, da gibt es viele Legenden.[1] Ich kenne eine aus dem früheren Kloster Maulbronn. Früher war es Zisterzienserkloster, heute ist es Weltkulturerbe

Und genau da in Maulbronn sollen die Mönche ebenso gottesfürchtig wie gewieft gewesen sein. Das alles soll passiert sein, als um das Kloster herum der Dreißigjährige Krieg getobt hatte. Als Not und Hunger die Menschen in den Tod trieben. Und just in der Fastenzeit war es, dass die Mönche ein Stück Fleisch geschenkt bekamen. Aber: Fleisch war ja verboten in der Fastenzeit – Krieg hin, Krieg her.

Was tun? Nun waren die Mönche von Maulbronn wohl vor 400 Jahren schon aus dem Tüftlerholz geschnitzt, für das die Schwaben noch heute bekannt sind. Und so kam ihnen beim Anblick des schönen Fleischstückes eine Idee: Was, wenn der Herr das herrliche Fleisch gar nicht sehen würde? Was, wenn es klein gehackt und in einer Mischung aus Spinat und Kräutern unter einer Teigtasche versteckt ist? Wäre das nicht gottesfürchtig genug und dennoch pragmatisch?

Und so sollen die Mönche aus Maulbronn schelmisch lächelnd die erste Maultasche zubereitet und verputzt haben. Und weil diese ach so köstlich schmeckte, fand sie Eingang in die Schwäbische Küche – und der Spitzname gleich dazu: Herrgottsbescheißerle.

Wie gesagt: das alles ist eine Legende. Und dennoch schmunzeln heute noch viele darüber, wenn sie das zum ersten Mal hören. Der Gedanke, den Herrgott übers Ohr zu hauen, der hat ja was.

Aber mal im Ernst: Als ob die Mönche einst nicht wussten, dass Gott alles sieht…

Und so verrät mir der Name „Herrgottsbescheißerle“ vielleicht nicht etwas über die genaue Herkunft der Maultasche – aber über einen Wesenszug des Menschen. Falls der Mensch eine Gottesbeziehung pflegt, dann versucht er nämlich immer wieder, ihn zu bescheißen. Und bescheißt damit im Grunde sich selbst mehr als Gott.

Woher kommt dieser Wesenszug? Aus einer Gottesbeziehung, die dem Herrn die Rolle des Aufpassers zuschreibt: Gott als der Blockwart meines Lebens. Und Blockwarte müssen beschissen werden, um halbwegs gut durchs Leben zu kommen – da kann jeder ein Lied von singen, der in einem Unrechtssystem gelebt hat. Aber: Ist es das, was das biblische Gottesbild hergibt?

Ich denke – wer so seine Gottesbeziehung pflegt, der steckt noch immer in einer Art theologischen Kindertagesstätte. Zur gereiften Gottesbeziehung gehört aus meiner Sicht, dass ich weiß: Ich kann eben Gott nichts vormachen und ich muss das auch gar nicht. Denn: er sieht mich. Und: er liebt mich. Wenn ich also jemanden bescheiße – um bei dem Wort zu bleiben – dann mich selbst.

Die Fastenzeit geht in ihre Endphase. Und ich weiß nicht, ob Corona wie bei mir viele Fastenvorsätze bislang durchkreuzt hat.  Aber falls Sie die letzten Wochen noch einmal nutzen wollen, um etwas an ihrer Gottesbeziehung zu machen – denn dafür war die Fastenzeit ja einst da, nicht um Fleisch zu sparen oder dergleichen – dann empfehle ich: Üben Sie sich doch mal in den Gedanken ein, sich von Ihrem Herrgott sehen zu lassen und zwar einfach so, wie sie sind. Ganz ohne Beschiss.

[1] http://stephan-fuhrer.de/maultaschen/

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