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Kirche in WDR 5 | 24.06.2019 | 06:55 Uhr

Vom Wirken Gottes



Guten Morgen!

Ich hatte erwartet, dass sein Haar und seine Kleidung völlig verwahrlost seien. Aber der junge Mann überrascht mich, als er die Gaststätte betritt: Er trägt einen blauen Jogginganzug und hat einen gut geschnittenen Bart. Der junge Mann setzt sich zu der Sozialarbeiterin und mir an den Tisch und wir essen zusammen zu Mittag. Ich weiß, dass er massive seelische Probleme hat und von daher immer wieder den Wohnort und die Arbeitsstelle wechselt. Unfähig zu regelmäßigem Einsatz und zu Sozialkontakten. So lebt der junge Mann oft auf der Straße. Obdachlos. Nicht in einer ihm vertrauten Umgebung, sondern immer wieder fremd unter fremden Obdachlosen, fremd in für ihn fremden Städten. Alles, was er besitzt, steckt in einem karierten Koffer und in einem Beutel.

Im Gespräch spüre ich seine tiefe Sehnsucht nach geregeltem Leben, nach Anerkennung, nach Geborgenheit. Bevor wir uns verabschieden, zeigt er mir eine Tätowierung auf seinem Oberarm: der Name seiner verstorbenen Mutter und ein Herz. Den Unterarm hat er sich selber mehrfach blutig geritzt. Das muss bald heilen, sagt er.

An diesen jungen Mann denke ich häufig in meiner ruhigen Wohnung, bei meiner beruflichen Arbeit, im Zusammensein mit mir vertrauten Menschen.

Gestern noch fiel er mir ein, als ich einen Song im Radio hörte. Ist da jemand,

der mein Herz versteht?, heißt es darin, und ist da jemand, der noch an mich glaubt?

Der mir den Schatten von der Seele nimmt, der mich sicher nach Hause bringt? Dieses Lied könnte für den jungen Mann geschrieben worden sein. So voller existentieller Fragen. So voller Sehnsucht nach äußerem und innerem Halt.

 

Der Song nimmt zum Ende hin eine positive Wendung. Dort heißt

es sinngemäß: An jedem neuen Tag kann dir deine innere Stimme sagen, dass da jemand ist, der dein Herz versteht.

Der für dich da ist, wenn du es am meisten brauchst. Der dich zu dir selbst nach Hause bringt.

Der junge Mann hat in seinen tiefsten Krisen oft völlig überraschende Hilfe erhalten. Das wird in seinen Schilderungen deutlich. Da gibt es plötzlich einen verständnisvollen Arzt, eine großzügige Chefin am Arbeitsplatz.

Da gibt es die lebenspraktische Sozialarbeiterin und einen humorvollen Physiotherapeuten. "Du schaffst das schon", sagt der, "und bald fährst du zum Bundesligaspiel nach Köln." Und der junge Mann spart viele Wochen

für eine Eintrittskarte. Und er traut sich trotz seiner Sozialphobie in eine volle Fußgängerzone. Als Übung, es unter vielen Menschen aushalten zu können. Schließlich fährt er mit dem Zug zum Fußballspiel nach Köln. Stolz, zitternd und glücklich.

Guter Gott,

ich vertraue darauf, dass Du der Jemand bist, der tief mein Herz versteht.

Der mir immer neu Hilfen anbietet, wenn ich am Boden liege.

Oft ungewöhnliche Hilfen, die mich völlig überraschen und die ich

erst im Nachhinein überhaupt mit Dir in Verbindung bringen kann.

Guter Gott, Du bist weitaus kreativer als ich und vitaler.

Und Du schickst Deine fließende Kraft in alle Poren Deines Universums und Du wirkst durch uns Menschen füreinander.

Es grüßt Sie Petra Fietzek aus Coesfeld

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