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Kirche in WDR 3 | 17.04.2021 | 07:50 Uhr

Aktion Lichtfenster

Es ist komisch – aber noch nie bin ich über so viele Friedhöfe spaziert wie jetzt in der Corona-Zeit. Oft mit Bekannten zum Gespräch, immer wieder aber auch alleine. Und ein Spaziergang hat mich zum Kölner Südfriedhof geführt. Da liegen auf einem zentralen Feld die Opfer der Bombennächte des Zweiten Weltkriegs. Und dieses Bild, diese Allee von Steinen – das hat mich an meinen Besuch in Verdun erinnert. Damals, als Kind, mit meinem Opa. Erst da hatte ich eine Ahnung davon bekommen, was der Erste Weltkrieg und seine zahlreichen Toten bedeutet haben muss.

Vielleicht geht es Ihnen anders. Aber ab einer bestimmten Anzahl hört mein Hirn auf zu Rechnen. Wie viel Unterschied 8.000 oder 80.000 machen, das kann ich nur schwer und theoretisch erfassen. Das sehe ich aber konkret an einem Ort wie dem Kölner Südfriedhof, wo hinter jedem Grabstein ein Menschenleben steht.

Nein, wir befinden uns nicht direkt in Kriegszeiten. Aber die Kriegssprache wird seit einem Jahr schon ziemlich oft bemüht. Es geht dabei um den „Kampf gegen das Virus“. Dieser Kampf wird weltweit geführt. Und er fordert Opfer – auch hierzulande. Und das nicht zu knapp. Laut Johns Hopkins University sind es bisher etwa drei Millionen Todesopfer weltweit, davon etwa 80.000 in Deutschland.

Daher hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für morgen auch zu etwas eingeladen, das ich bis jetzt nur vom Gefallenen-Gedenken kenne: Ein nationaler Gedenktag für die Opfer der Pandemie.

Auch wenn in den letzten Wochen viel geklagt wurde über die deutsche Corona-Politik. Bilder von Massengräbern wie in New York sind uns bislang erspart geblieben und bleiben das hoffentlich auch.

Trotzdem finde ich es wichtig, dass wir morgen als Nation einen Tag innehalten und zusammen gedenken. Es wird nach dieser Pandemie kein Stelenfeld geben wie auf dem Kölner Südfriedhof, oder in Verdun. Die schiere Anzahl der Toten wird mein Auge nicht erfassen können. Das bleibt auf eine Art unsichtbar wie das Virus selbst.

Und daher: Morgen geht es um eine andere Sichtbarkeit, dass die Toten nicht aus den Augen geraten und damit die Trauer der Angehörigen. Bundespräsident Steinmeier hat dafür schon vor Monaten eine Aktion angeregt, nämlich die Aktion Lichtfenster.

Ich kenne das von Hospizen. Da wird meist an einem bestimmten Fenster, das gut sichtbar ist, eine Kerze angezündet und zwar an dem Tag, an dem ein Bewohner, einer Bewohnerin gestorben ist. Ein stilles, aber nach außen sichtbares Zeichen: Hier ist ein Mensch heimgegangen. Das Zeichen stellt eine Verbindung her zur Außenwelt – die sonst davon nichts mitbekommen würde. Und dabei ist es recht unaufdringlich – wer darum weiß, versteht es, andere sehen nur die Kerze im Fenster.

Kurz nachdem die Aktion Lichtfenster startete, ist der Vater eines Freundes gestorben. Und ich habe hier im Büro, am Kölner Wallrafplatz ein Licht angezündet. Und ich habe gesehen, wie Menschen an diesem viel frequentierten Platz nach oben geschaut haben, als sie die Kerzen brennen sahen. Das fand ich schon berührend.

Also: Vielleicht hatten auch Sie im letzten Jahr einen Abschied hinnehmen müssen, vielleicht sind Sie sogar in Trauer. Machen Sie doch mit – morgen beim nationalen Gedenktag für die Corona-Verstorbenen und stellen Sie eine Kerze ins Fenster – dass die, die diese Krankheit nicht überlebt haben, nicht übersehen werden.

Aus Köln grüßt Sie Klaus Nelißen

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