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Hörmal | 29.11.2020 | 07:45 Uhr

Warten neu lernen

Es begab sich aber zu der Zeit, da alle aufgefordert waren, sich in Listen einzutragen. Es war jene Zeit, da in den Herbergen kein Platz war – wegen der Beherbergungsverbote. Das war genau die Zeit, in der als landauf, landab das Warten neu gelernt wurde – mit Abstand: beim Brötchenholen, an der Supermarktkasse, beim Arzt. Warten auf das Testergebnis, Warten auf den Impfstoff.

Das war, als das Zeitraffer-Leben der Vorjahre plötzlich nicht mehr ging und weitergelebt werden musste in Zeitlupe; als die Ferienflieger still standen und viele das Zwitschern der Vögel des Himmels wieder entdeckten, oder den Spaziergang im Wald. Als das Kleine, das Lokale, groß und wichtig wurde und das Große, der Horizont, in weite Ferne rückte.

Für Ungeduldige war diese Zeit eine Qual, denn das Warten war ihnen abhandengekommen: Erfüllung? –bitte sofort! Der Online-Versand verspricht die Zulieferung am selben Tag. Das Handy durch-„pingt“ mit jeder Mitteilung den Gedankengang; der Tweet eines durchgeknallten Präsidenten sorgt binnen Sekunden für Kursschwankungen auf dem Meinungsmarkt. Leben rasend schnell. Und dann hieß es: warten.

Eine Ahnung vom Warten hatten noch die werdenden Mütter. Eine Schwangerschaft ist eben keine 5-Minuten-Terine sondern braucht ihre Zeit. Neues Leben muss wachsen: neun Monate warten, „guter Hoffnung sein“.

Überhaupt: Die Hoffnung. Sie ist die zappelige Schwester des Wartens – wortwörtlich: die Hoffnung ist das hüpfende Erwarten, das vom Niedermitteldeutschen „hopen“ stammt. Aber nein, die Hoffnung ist nicht nur die zappelige, sie ist auch die schöne Schwester des Wartens. Denn sie richtet sich auf eine bessere Zukunft. Hoffnung ist Zu-ver-sicht.

Es begab sich also genau in jener Zeit, als das Warten neu gelernt wurde, da lasen sie in den Kirchen jene uralten Texte aus der Bibel, die von Erwartung künden, von Hoffnung, von Zuversicht. Denn: Es war Advent – die Zeit, in der die Christen jahreszeitlich bedingt und vorsätzlich „schwanger gehen“ mit dem Gedanken: Gott wird Mensch.

Und vielleicht werde ich später einmal sagen, dass ich in diesem Advent des Jahres 2020 noch mal neu das Warten für mich entdeckt habe. Das würde mich mir tatsächlich wünschen. Denn es gehört im Grunde zu den Tugenden von religiösen Menschen, dass sie warten können. Warum? Weil das Warten auf ein Ziel gerichtet ist. Ein Warten, das kein Ende hat, ist ja absolut hirnrissig, wie auf einen Bus zu warten, der niemals kommt. Und insofern kann ich an meinem religiösen Warten merken, ob da noch etwas ist, auf das mein Glauben hin ausgerichtet ist: Stelle ich mir noch diese Fragen danach, was einmal kommen wird? Oder übertünche ich mein Nicht-Warten mit Plätzchenbäckerei oder mit Glühweinlaune, die dieses Jahr eh nicht aufkommt, weil die Weihnachtsmärkte geschlossen sind? Ich denke, dieser Advent ist eine gute Zeit, vieles von dem vorweihnachtlichen Schnick und Schnack einmal beiseite zu lassen und sich das zu fragen: Auf was warte ich eigentlich? Ist es eine gute Hoffnung? Und: wie sieht die aus?

In diesem Sinne: einen guten Start ins Warten, einen guten Advent!

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