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Kirche in WDR 3 | 11.06.2020 | 07:50 Uhr

Was hält mich in der Kirche?

Heute feiert die katholische Kirche das Fronleichnamsfest. Nach alter Tradition ist ein charakteristisches Merkmal dieses Festes, dass die Monstranz mit der konsekrierten Hostie in einer Prozession durch die Straßen getragen wird – also ein Bekenntnis zur Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie.

Die Corona-Pandemie, die noch immer nicht bezwungen ist, verbietet die Prozession im traditionellen Stil. Doch das Geheimnis des Festes bleibt die Mitte dieses Tages: die Gegenwart Gottes im heiligen Brot.

Viele Gläubige haben auf die Eucharistie seit Ausbruch der Pandemie verzichten müssen oder tun es noch immer. Auch in unserem Kloster haben wir zwei Monate lang keine Eucharistie feiern können, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Und die Situation forderte uns heraus, neue Möglichkeiten zu finden, wie wir das Geheimnis der Nähe Gottes zu uns miteinander feiern könnten. Die gemeinschaftliche Suche danach, das jeweilige Fest – wie auch Karfreitag und das Osterfest – miteinander zu gestalten, weckte in mir eine neue Liebe zur Kirche. Sie ist mehr als nur die Anzahl aller Gläubigen in hierarchischen Strukturen.

Von klein auf gehöre ich zur katholischen Kirche, doch zum Leben wurde sie mir erst, als ich in diesen Orden eintrat. Dazwischen liegt eine lange Zeit der Suche, die wohl bis zum Tod nicht abgeschlossen ist. Leben in der Kirche hat für mich viele Facetten: Da ist die Botschaft vom lebendigen Gott, der mir im Handeln der Kirche entgegenkommt. Da sind die vielen Gelegenheiten, mit anderen zusammen, auf das Wort Gottes zu hören. Da ist das gemeinsam gesungene Lob Gottes, das auch immer wieder das eigene Herz in Schwung bringt. Da sind die unzähligen Möglichkeiten im Raum der Kirche, gemeinsam anderen zu dienen. Und – natürlich – da sind auch die vielen „Menschlichkeiten“ und manche Engführungen, die manchmal der Weite des Evangeliums widersprechen und mich stolpern lassen. In einer Situation des „Stolperns“ fand ich einmal einen Text der französischen Schriftstellerin Marie Noël. In ihrem geistlichen Tagebuch „Erfahrungen mit Gott“ sammeln sich Aussagen, die eine fast zwanzigjährige religiöse Krise umschreiben. Darin formuliert sie ein Gebet: „Herr, Du hast mich, wie der Gatte die junge Gattin, in das Haus, das sie nicht kennt und das die Schwiegermutter regiert, Du hast mich, um mit Dir zu leben, in das Haus der Mutter Kirche geführt. (…) Es ist gut, dass sie mich überwacht und dass sie mich hindert, zu leicht ein wenig töricht zu sein an Deiner Seite. Sie weiß besser als ich, was sich gehört. Aber Du, mein Herr, den ich liebe, Du, sage ihr doch, dass sie mit ihren mächtigen Händen meine Brust nicht zu sehr beklemmt, dass sie mich ein wenig atmen lässt. Wenn Du es ihr sagst, mein Herr, wird sie auf Dich hören, auf Dich, den sie liebt.“

Manchmal ist das so, dass eine Umarmung so fest ist, dass sie mir fast die Luft abschnürt. Das gilt auch für meine Beziehung zur Kirche. Wie schön, dass ich auch solch eine Bedrängung durchaus dem Herrn ans Herz legen darf, der auch der Herr der Kirche ist.

Heute, an diesem Fronleichnamsfest in Zeiten der Krise, wird mir noch einmal mehr bewusst, dass es neben dem Sakrament der Eucharistie auch ein weiteres gibt. Ich möchte es das „Sakrament des Augenblicks der Gemeinschaft“ nennen: Wenn ich in Stille, im Hören auf das Wort Gottes, verbunden mit anderen Gläubigen bin, dann scheint dort Gottes Gegenwart ebenso auf. Dass ich nicht allein glaube, sondern mich darin mit anderen verbunden weiß – das trägt mich durch diese Zeit.

Dass auch Sie sich getragen fühlen durch Augenblicke der Gemeinschaft, wünscht Ihnen Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

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