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Kirche in WDR 5 | 12.10.2020 | 06:55 Uhr

Glockenläuten

Guten Morgen.

Herbstferien – auch wenn Sie vielleicht nicht mehr so die Verbindung zum Schul-Alltag haben, stellen Ferien doch immer wieder eine Zäsur im Alltag dar. Zeit zum Luftholen, vielleicht etwas ausspannen. Ob es mit dem Herbsturlaub in dieser Corona-Zeit etwas wird – wer weiß das. Alles ist irgendwie anders. Obwohl sich mittlerweile bei mir längst wieder so etwas wie „Alltag“ eingestellt hat. Anders irgendwie, aber man gewöhnt sich ja an fast alles. Manches ist in Zeiten der Pandemie schon zur Gewohnheit geworden. Oft ganz unerwartet – aber trotzdem mittlerweile gut eingeübt. Da gibt es kleine, neue Rituale, liebgewordene Abläufe, von denen ich ihnen erzählen möchte.

Erinnern Sie sich noch an das allabendliche Glockenläuten seit dem Beginn des Lockdowns im Frühjahr? Die Kirchen wollten damit ein beständiges Zeichen setzen in der Zeit, in denen die öffentlichen Gottesdienste ausgesetzt waren. Das war nach wenigen Tagen schon viel mehr als bloß ein einprogrammiertes, automatisches Geläut. In der City von Jüchen, wo ich lebe, trafen sich allabendlich, pünktlich um 19.30 Uhr zum Glocken-läuten, Ralf, der Friseur, und Thomas, der Gärtner, an der Gartenmauer, die ihre beiden Grundstücke voneinander trennt. Mit einer Flasche Bier und einem „kleinen Roten“ stießen die beiden auf den Feierabend in dieser Frühlingszeit an. Und tauschten sich über ihre Tageserlebnisse aus. Jeden Abend um halb acht. Das Ganze dauerte selten länger als eine Viertelstunde. Aber, so sagte mir Ralf: „Das hat uns immer positiv in den nächsten Tag blicken lassen!“ Danach verabschiedeten sich die beiden und verabredeten sich wieder für „morgen, halb acht“. Das habe ihm in der Zeit des Lockdowns viel Kraft gegeben – denn seinen Friseur-Salon hatte Ralf schließen müssen. Von heute auf morgen, von hundert im nächsten Augenblick auf null. Das muss man erst einmal verkraften… „Natürlich – Gesundheit, vor allem die der Kundschaft, geht vor.“ Aber schwierig bis schmerzhaft sei das schon gewesen. Und da einen guten Freund an seiner Seite zu wissen, der zuhört, mit dem man sich austauschen kann – das habe ihm über manches hinweggeholfen. Faszinierend sei es immer gewesen, dem Ende des Läutens zuzuhören. „Da trat im Zentrum unserer Stadt immer völlige Stille ein – kaum ein Auto auf der Haupt-Durchgangsstraße, keiner zu Fuß unterwegs, kein Flugzeug am Himmel – einfach nur Stille.“

Und selbst das beständige Rauschen der Autobahn, das sonst Tag und Nacht deutlich zu hören ist, war kaum wahrnehmbar. „In den ersten Tagen war das gespenstisch – dann aber fing es an, richtig gut zu tun.“ Überhaupt sei er immer wieder zum richtigen Nachdenken gekommen. Und das hat er dann mit seinem Freund Thomas an der Gartenmauer beim Feierabend-Bier zum Corona-Läuten geteilt. Das waren, so berichtet Ralf, oft fast schon philosophische Gespräche über Gott und die Welt. Man bekomme eine ganz andere, oft viel gelassenere Sicht auf die Dinge. Fast aus der Vogelperspektive betrachtet wurden die Probleme der Corona-Krise immer kleiner – Anderes, Wichtigeres trat an diese Stelle. So wurde das Corona-Läuten zu einer wichtigen Wegmarke nicht nur von Ralf und Thomas, sondern auch für viele Menschen, die an diesem abendlichen Punkt des Tages innehielten und miteinander über die wichtigen Dinge des Lebens – auch über den Glauben – ins Gespräch kamen.

Ich würde mir wünschen, dass wir die gelassene Ernsthaftigkeit dieser Tage aus dem stillen Frühling in unseren Nach-Corona-Alltag hinüberretten – wenn die Pandemie denn irgendwann einmal vorüber ist.

Bleiben Sie gesund und ernsthaft gelassen, heute, beim Start in die neue Woche.

Ihr Pfarrer Ulrich Clancett aus Jüchen.

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