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Sonntagskirche | 29.12.2019 | 08:55 Uhr

Limonade machen


"Keine Zitrone ist so bitter, dass man nicht Limonade daraus machen kann.“ Ich finde, der Satz passt zur letzten Sonntagskirche des Jahres. Am Jahresende schaut jeder ja mal zurück. Und zu meinem Jahr jedenfalls passt der Satz gut. Er stammt aus einer TV-Serie, die ich dieses Jahr entdeckt habe: „This is us“ heißt die. Und wegen der habe ich schon viele Tränen vergossen, so schön erzählt ist die Geschichte der Familie Pearson. Und alles beginnt in der großen Familienerzählung eigentlich mit diesem Satz. Den sagt nämlich der zuständige Arzt dem jungen Vater Jack Pearson in dem Moment, als der gerade erfährt, dass eines seiner erwarteten Drillinge bei der Geburt verstorben ist. Sie müssen die Serie kennen um zu wissen, wie viel dem Vietnam-Veteran Jack daran gelegen war, eine gut behütete Familie aufzubauen. Und wie sehr er sich auf die Drillinge gefreut hatte. Und dann die Todesnachricht. Der alte und erfahrene Arzt sagte dann diesen Satz und wusste bestimmt nicht, was er damit auslöste: „Keine Zitrone ist so bitter, dass man nicht Limonade daraus machen kann.“ Denn: Just als Jack auf das leere Bettchen starrt hinter dem Fenster mit all den Neugeborenen bringt ein Feuerwehrmann ein Findelkind herein, das er auf der Straße gefunden hatte. Und Jack macht Limonade aus der Situation. Er beschließt: Ich gehe mit drei Kindern aus dieser Klinik und er nimmt das Kind, das eine andere Hautfarbe hat als die anderen beiden, an wie sein eigenes. Wie gesagt: Daraus entspinnt sich dann eine ganze Familiensaga. „Keine Zitrone ist so bitter, dass man nicht Limonade daraus machen kann.“

Vielleicht mag ich den Satz, weil ich so gern Limonaden liebe – besonders wenn sie selbstgemacht sind. Aber es ist doch so: Das Leben hält für jeden verdammt viele Zitronen bereit. Und manche sind wirklich bitter. Mit die bitterste Zitrone für mich im zurückliegenden Jahr kam ausgerechnet an Gründonnerstag. Da bekam ich einen Anruf von meinem Vater, dass einer seiner besten Freunde an Krebs gestorben war. Ob ich mir vorstellen könne, die Beerdigung zu halten. Nun, ich hatte so was noch nie gemacht. Aber es war der Wunsch meines Vaters. Auch er leidet am Krebs. Das konnte ich nicht ausschlagen. Noch größer wurde die Herausforderung, als ich dann erfuhr, dass Peter sich verbeten hatte, dass bei seiner Beerdigung irgendwas Frommes gesprochen wird. Er war nämlich als Kind auf einem katholischen Internat und hatte zeitlebens unter der strengen Erziehung gelitten, die wohl etwas zu hart für seine zarte Seele gewesen war. Damals hatten sie ihm den Glauben an den „lieben Gott“ ausgetrieben. Peter wurde zum Rebell. Ein richtiger 68’er. Von der Kirche wollte er nix mehr hören. Seine Religion war stattdessen die Musik seiner Zeit. Daher wünschte Peter sich zu seiner Beerdigung nur drei Lieder: „Albatros“ von Fleetwood Mac, "Little Rain" von den „Rolling Stones“ und „Twist and shout“ von den Beatles.

Das war nun wirklich für mich als Kirchenmann echt ne Herausforderung, daraus eine Beerdigung zu machen. Mit so einer Lebensgeschichte. Mit dem qualvollen Tod am Krebs. Mit der Verbitterung über die Kirche. Ich habe dann lange mit Peters Schwester gesprochen. Und irgendwie hatten wir dann eine würdige Feier hinbekommen. Wir haben die Lieder gehört. Wir haben mit allen Versammelten Tomaten gegessen, weil Peter die mit Liebe jedes Jahr gezüchtet hatte, auch noch, als die Chemo ihm die letzten Kräfte raubte. Und wir haben auf dieses Leben geschaut, das bei aller Bitterkeit immer wieder Limonaden-Momente hatte. Weil auch Peter aus seiner negativen Internatserfahrung geschafft hatte, etwas Positives zu ziehen: Er war später selber Hauptschullehrer geworden und hatte ein besonderes Ohr für die Rebellen in seinen Klassen.

Und wenn Sie in diesen Tagen auf Ihr Jahr zurück schauen: Dann hoffe ich, dass Sie an der ein oder anderen Stelle auch merken können, wie aus einer bitteren Erfahrungen doch noch eine ziemlich gute Limonade wurde.

Kommen Sie gut in das neue Jahr, das sicher ganz eigene Früchte hervorbringt.


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