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Kirche in WDR 5 | 14.04.2020 | 06:55 Uhr

Da ist auch Licht

Es ist dunkel. Schemenhaft nur zeichnen sich die Profile von Männern und Frauen, Mädchen und Jungen ab. Es müssen viele sein. Sehen kann ich das nicht. Aber erahnen. Hören vor allem. Mal ein Räuspern. Mal ein tiefes Einatmen. Hinter mir flüstert ein Vater seiner Tochter etwas zu. Und irgendwo weiter vorne scheint jemand eine Handtasche aufzumachen. Ich bin aufgeregt. Etwas verunsichert auch. Ich spüre meine Anspannung – und wie langsam, aber sicher ein Gefühl von Beklemmung in mir hochsteigt. Ängstlich greife ich zur Seite. Mein Vater sitzt noch neben mir. Ganz entspannt und ruhig. Immerhin. Mein Puls rast.  Es ist dunkel. Fast schon gespenstisch still. Als die Türe geöffnet wird, höre ich den Verkehr der nahen Straße. Und ich spüre, wie die kalte Luft einer Nacht in den Raum zieht, die den Kampf gegen den Winter noch nicht gewonnen hat. Endlich scheint sich nun auch etwas zu tun. Von hinten höre ich leise Stimmen. Bewegung. Und aus dem Augenwinkel sehe ich ein kleines, flackerndes Licht, das näher kommt. Plötzlich dann ein kurzer, lauter Ruf in einer mir fremden Sprache. Neben mir und vor mir und hinter mir antworten die Menschen. Ebenso laut. Ebenso fremd. Und dann merke ich, wie es nach und nach heller wird – bis ich sehe, wie jemand eine riesige Kerze trägt, an der einige der Anwesenden ihre mitgebrachten, eigenen Kerzen anzünden und das Licht dann weitergeben. Aus den schemenhaften Schatten schälen sich langsam vertraute Gesichter – Nachbarn, Freunde, Bekannte aus dem Dorf. Und innerhalb kürzester Zeit erstrahlt der eben noch düstere und kalte Raum in einem hellen und warmen Licht. Ich atme auf. Die Anspannung ist vorbei. Jetzt ist alles gut. Meine erste Osternacht hat begonnen.

Mehr als 40 Jahre ist das jetzt her. Und ich gebe zu: Im Laufe der Jahre hat mich diese Symbolik immer stärker berührt und bewegt. Mittlerweile tröstet mich dieses Erleben in der Osternacht auch: Wie schnell doch das Dunkel und die Kälte überwunden werden – nur weil Menschen ein kleines Licht weitergegeben. Und in jeder Osternacht bin ich fasziniert und glücklich und hoffnungsvollfroh, weil ich mich einem Gott verdankt weiß, der mich zwar in die Dunkelheiten dieser Welt gestellt hat – aber der bei mir ist. Der mir Licht geben möchte. Und der mir auch zeigt, wie ich mit ganz wenig beitragen kann dazu, dass es auch für andere hell wird.

Wie gesagt: Mich berühren und bewegen und beeindrucken diese Osternächte. Dieses Jahr musste ich ohne dieses Erlebnis auskommen. Gottesdienste sind nicht erlaubt. Aus gutem Grund. Als mir vor einigen Wochen bewusst wurde, was das bedeutet, da dachte ich: Das ist das erste Mal seit vier Jahrzehnten, dass mir diese Quelle der Hoffnung und des Trostes verschlossen bleibt.

Aber irgendwie war das wahrscheinlich die falsche Perspektive. Denn eigentlich habe ich Ostern in diesem Jahr viel intensiver erlebt als jemals zuvor. Viel bewusster. Viel näher an der Wirklichkeit. Denn wenn ich heute wieder die Kerze anzünden werde, die ich am späten Ostersamstagabend angezündet habe, dann sagt die mir eben noch sehr viel näher am Leben, dass auf jeden Karfreitag ein Ostern folgt, auf jede Krise ein Wiederaufblühen. Dass in das Dunkel eines jeden Golgathas doch auch irgendwann wieder die Sonnenstrahlen eines neuen Tages fallen. Dass da auch in dieser Zeit mit ihrer Isolation, mit dem Getrennt sein von der Familie, den Freunden, den Nachbarn, dass in all diesem Dunkel doch auch Licht ist. Dass der liebe Gott bei mir ist. Immer. Auch jetzt. Gerade jetzt.

Und ganz gleich, ob wir – Sie und ich – uns im Glauben verbunden wissen oder nicht: Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass auch Sie in diesen Tagen eine Kerze anzünden können in einer Hoffnung, die Ihnen Zuversicht geben kann und die Ihnen sagt: In der Mitte der Nacht – da liegt der Anfang eines neuen Tages. Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden.

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