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Hörmal | 22.11.2020 | 07:45 Uhr

Totensonntag: Irgendwas von Dir

Das war Ende September und wie an jedem Morgen hatte ich beim Zähneputzen mein Handy angeschmissen. Und wie fast an jedem Tag hab ich zuerst einmal die Geburtstagserinnerungen von Facebook abgearbeitet. Das können ja gleich mehrere an einem Tag sein und ich gebe zu: Fast schon schematisch schreibe ich an manchen Morgen überall ein „Mazel tov“ hinein, was auf Hebräisch ungefähr heißt: alles Gute. Finde ich irgendwie origineller als „alles Gute“ und hat mit meiner Zeit als Zivi in Israel zu tun.

An jenem Septembermorgen hatte ich das „Mazel tov“ schon in die Zeile gehauen, als ich noch mal genauer hingeschaut hab, wem ich das da überhaupt in die Timeline schreibe. Und fast wäre die Zahnbürste aus dem Mund gefallen. So groß war der Klos im Hals, der sich zugeschnürt hatte, als ich den Namen las: Nadine.

Rückblende: Es war Mitte März, der erste Tag, an dem die Schulen zu hatten, Lockdown. Da haben wir Nadine zu Grabe getragen. Ich hab am Klavier gesessen, unter freiem Himmel vor der Friedhofskapelle, weil das damals Corona-bedingt nur so möglich war. Und während der ganzen Feier hab ich immer wieder in die Gesichter geschaut von Nadines Mutter und von Nadines Sohn.

Und obwohl wegen der Ansteckungsgefahr nur ein kleiner Kreis zugelassen war, hatten es sich viele Kolleginnen und Kollegen – und auch viel Schülerinnen und Schüler – nicht nehmen lassen, Nadine das letzte Geleit zu geben – aus sicherer Entfernung auf dem Friedhof. Nadine war eine überaus beliebte Englisch- und Religionslehrerin. Ich hab sie auf der Schule kennen gelernt, als da vor 10 Jahren meine Ausbildung zum Pastoralreferenten begonnen hatte. Nadine war damals wie ich in den Dreißigern und wir hatten uns gut verstanden.

Und dann ihr plötzlicher Tod Anfang März. Das hatte mich  ziemlich fertig gemacht. Die Beerdigung hatte etwas Unwirkliches. Ab da konnte ich verstehen, wie schwer es gerade in diesem Jahr ist, von einem Mensch Abschied zu nehmen. Wenn selbst kleine Gesten wie eine Händedruck oder eine Umarmung zu einer riskanten Handlung werden.

Und so waren all diese Bilder zurück, als ich an jenem Septembermorgen im Badezimmer durch Facebook an Nadines Geburtstag erinnert wurde. Und ich konnte nicht anders: ich hab in Nadines Timeline geschaut, ob ihr tatsächlich Leute gratuliert hatten. Ich war verwundert, denn das waren nicht wenige. Und offenbar nicht so verschlafene wie ich. Da heiß es:

 

„Liebe Nadine, ich hoffe, du feierst deinen heutigen Geburtstag an einem ganz besonderen Ort. Ich denke an dich und wünsche Dir nur das Allerbeste, egal wo du jetzt bist“. Und eine andere schrieb: „Liebe Nadine, lass dich heute von allen Engeln feiern.“

 

Ich war baff: Facebook – mit seiner Geburtstagstimeline wurde bei Nadine zu einem Platz für Erinnerung. Und aus vielen dieser Posts sprach eine Hoffnung, die ich als Christ nur allzu gut kenne: Dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Dass niemand so ganz geht. Dass irgendetwas bleibt.

 

Heute ist Totensonntag. Und für alle, die in diesem Jahr um einen lieben Menschen trauern - gerade angesichts der vielen Einschränkungen und Unwirklichkeiten dieser Zeit – all denen möchte ich sagen: Es ist vielleicht viel mehr dran an dieser Hoffnung, dass es eine Erfüllung unseres Lebens gibt, die unser Wissen übersteigt und unsere Tränen trocknet – und wo dann wirklich „alles gut“ ist – Mazel tov.

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