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Kirche in WDR 2 | 16.08.2021 | 05:55 Uhr

sixty four

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder rum. Tja. Und letzte Woche Montag bin ich mit meinem Hund auf dem Weg in ein Altenheim gewesen. Und als wir auf dem Bahnsteig gewartet haben, hat eine U-Bahn gehalten. Und ganz vorne, aus dem ersten Wagen, da ist ein Paar ausgestiegen. Ganz vorsichtig sind sie aus der Bahn geklettert. Ich denke, beide waren sicher über achtzig. Die Frau ist zuerst ausgestiegen, dann ist ihr Mann hinterhergekommen, ganz vorsichtig hat er seine Schritte gesetzt und Halt gesucht. Und als sie draußen gewesen sind und langsam den Bahnsteig hinaufgegangen sind, ein wenig unsicher und gebeugt, da hat das ein bisschen ausgesehen, als führe die Frau ihren Mann auf eine Tanzfläche. Ihre Hände haben sie fast wie eine Trophäe in Brusthöhe ineinandergelegt. Schaut alle her, das sind wir beide. So gingen sie langsam den Bahnsteig hinauf, ein wenig unsicher und gebeugt. Zärtlich hat das ausgesehen, ein wenig stolz und ein bisschen verliebt.

Ich habe sofort an die Beatles denken müssen: Will you still need me, will you still feed me when I´m sixty-four? Wirst du mich noch brauchen, mir immer noch was zu essen machen, wenn ich 64 bin? Und ich habe an meine Frau denken müssen. Daran, wie sehr ich sie mag, wie dankbar ich bin, dass es sie gibt und dass ich jeden Tag darum bitte, dass wir hoffentlich noch lange zusammen sein können. Nicht nur bis wir 64 sind, mindestens bis wir so alt sind wie die beiden, die einander da gerade umsichtig über den Bahnsteig geleitet haben.

Aber: ich dachte auch an das Altersheim, das ich gleich betreten würde. Da leben viele Menschen, die haben sich ihr Leben auch anders vorgestellt. Die haben auch gedacht, dass sie mit ihrem Partner, ihrer Partnerin lange leben und gemeinsam alt werden können. Will you still need me when I´m sixty-four? Eighty-four? Na klar, was denn sonst? Haben bestimmt alle gedacht. Und dann ist es bei vielen anders gekommen. Und ich habe gewusst, gleich werde ich wieder viele Menschen sehen, die sitzen still und allein in ihrem Zimmer. Sessel, Couchtisch, Tablettenbox, Rollator, Fernseher. Ein kurzer stummer Blick im Vorübergehen. Sonst nichts.

Heute ist wieder Montag, und ich denke heute an alle, die niemanden mehr haben, der sie gewissenhaft und geduldig durch das Gewirr der U-Bahnen führt, als ginge es in eine Tanzschule. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist, das hat schon die Bibel gewusst. Aber viele alte Menschen verzweifeln daran, ich weiß das. Und übrigens viele junge auch. Und doch hoffe ich, dass es auch heute, am Montag Menschen gibt, die sie und ihre Einsamkeit wenigstens nicht übersehen. Die sich anrühren lassen, wenigstens das. Denen Einsamkeit und einsame Menschen nicht egal sind.

Und als ich darüber nachdenke bin ich echt dankbar für den Menschen, der meine Hand hält. Beim Spazierengehen. Vorm Schlafengehen. Und dankbar für alle Menschen, die heute die Hand von einem Menschen festhalten. Will you still need me? Will you still feed me? When I’m sixty-four? Na klar, auch dann. Aber auch schon heute. An diesem Montagmorgen.

 

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