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Kirche in WDR 2 | 11.05.2020 | 05:55 Uhr

Brunnen sauber machen

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja.

Wäre ich noch ein Kind und würde ich noch zu Hause in Kürten bei meinen Eltern leben – dann hätte ich vielleicht am letzten Wochenende geholfen, unseren Brunnen sauber zu machen. Witzig, dass mir das gerade einfällt, wo ich vor dem Spiegel stehe und mir Wasser ins Gesicht klatsche, um den Rasierschaum wegzuputzen.

Unser Brunnen. Ein geheimnisvolles Ding. Es gibt ihn immer noch. Er befindet sich zwei Steinwürfe weit hinterm Elternhaus in einem kleinen Wäldchen. Ein etwa zwei Meter tiefer gemauerter Schacht mit einem Kragen aus Beton. Und verschlossen mit einer schweren Platte aus Metall.

Bis 1980 gab es in dem kleinen Dorf noch keine öffentliche Wasserleitung. So ein Brunnen war damals also überlebenswichtig. Daher haben die Eltern immer darauf geachtet, dass kein Dreck in den Brunnen fallen konnte. Oder dass der Deckel fest verschlossen war und keine Tiere in den Brunnen gefallen sind. Oder gar spielende Kinder.

Einmal im Jahr, meistens im Mai, haben wir den Brunnen sauber gemacht. Das ging so: Deckel auf, Eimer rein – und den Brunnen leergeschöpft. Das war anstrengend. Einer lag auf dem Bauch und hat den vollen Eimer rausgereicht. Ein anderer hat ihn weggeschüttet. Irgendwann war der Wasserstand so niedrig, dass eins von uns Kindern reinklettern musste, weil man von oben nicht mehr dran kam und hat den Eimer rausgereicht. Irgendwann ist dann die Stelle zum Vorschein gekommen, wo das Brunnenwasser in die Leitung geflossen ist, die in unseren Keller geführt hat. War das Sieb noch okay? Oder war es beschädigt oder verstopft? Anschließend haben wir dann noch Steine, Laub und Dreckklumpen vom Brunnenboden gefischt. Erleichtert festgestellt, dass die Quelle noch intakt war. Staunend beobachtet, wie das frische Quellwasser in den sauberen Brunnen nachlief. Deckel drauf, tschüss, auf Wiedersehen bis zum nächsten Frühling.

Manchmal ist es vorgekommen, dass die Wasserleitung in einem strengen Winter zugefroren ist. Dann haben wir einfach abgewartet, bis es wärmer wurde. Was sollten wir sonst machen? Oder in einem trockenen Sommer ist es hin und wieder passiert, dass wir Wasser sparen mussten. Dann konnte die Waschmaschine nicht so oft laufen. Oder die Eltern haben die Lauge aus der Waschmaschine aufgefangen und für eine Handwäsche nochmal benutzt. Dann war Baden verboten und nur kurzes Duschen erlaubt.

Unser Brunnen hat mir als Kind die Bedeutung von Wasser nahegebracht. Seinen Wert. Die Sorge und das Wissen darum, wie wichtig sauberes frisches Wasser für Menschen, Pflanzen und Tiere ist. Jedes Jahr im Mai, wenn wir schweigend den Brunnen leergeschöpft und saubergemacht haben. Diese Erfahrung trägt mich wahrscheinlich noch mein ganzes Leben lang. Wo Wasser spritzt ist Leben. Gott sei Dank. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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