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Kirche in WDR 5 | 18.08.2021 | 06:55 Uhr

Begegnung

Guten Morgen!

Ja, ich gebe es zu: Ich bin Einzelgänger. Mit Gruppen und Teams kann ich umgehen, aber ich brauche dann immer wieder Zeit für mich selbst. Zeit mit mir allein. Deshalb habe ich manches in den vergangenen anderthalb Jahren nicht so stark vermisst wie andere: festliche Versammlungen, Partys und Feiern, Shoppen gehen. Der Verzicht darauf ist vielen Zeitgenossen unglaublich schwergefallen. Mir nicht. Ich habe manche ausgefallene Veranstaltung sogar als Entschleunigung wahrgenommen, als eine Art Eventfasten. Vermisst habe ich allerdings Konzerte. Erst die Sehnsucht macht die Dinge klar.

In kleinen Gruppen fühle ich mich wohler. Begegnungen vis a vis. Intensive Gespräche mit wenigen Menschen. Wo man sofort in die Tiefe gehen kann, ohne Small Talk. Gute Begegnungen – davon kann ich lange leben. Wenn ein Gespräch entsteht und nicht nur Gerede. Wenn es um etwas geht. Das verändert dann oft meinen eigenen Blick, das gibt mir neue Einsichten und Perspektiven.

Die Bibel erzählt, wie Jesus Gemeinschaft stiftet. Wenn er seine Jünger sammelt ohne Vertrag und Programm. Wenn er Menschen heilt, die vorher ausgegrenzt waren. Und sie auf diese Weise resozialisiert. Aussätzige zum Beispiel – raus aus der Vereinzelung, hinein in die Gesellschaft. Oder wenn Jesus mit einer Frau spricht, mit der Frau am Jakobsbrunnen. Ihr ganzes Leben wird mit einem Mal durchsichtig, eine wirklich heilsame Begegnung. Am Karfreitag geht es für Jesus in die Vereinzelung. Keiner von seinen Freunden ist mehr da, und sogar Gott scheint sich aus dem Staub gemacht zu haben: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, schreit Jesus am Kreuz. An Ostern gibt es wieder Begegnungen, es geht von der Angst zum Vertrauen, aus der Einsamkeit in die Gemeinschaft.

Besonders schön finde ich, was Christinnen und Christen von Gott selbst sagen. Sie glauben, dass er nicht einsam ist. Gott ist Gemeinschaft. Er ist so, wie er sich den Menschen gezeigt hat. Er ist der Schöpfer allen Lebens, der Urgrund und die Tiefe allen Daseins. Zugleich ist er menschlich nahe, das hat er gezeigt in Jesus Christus. Der ist gestorben und auferstanden, und hat damit alles Menschliche in Gott hineingenommen. Schließlich ist Gott die unbändige Kraft in allem, die heute noch am Werk ist und alles zusammenhält. Der Glaube drückt es in Bildern aus: Gott ist Vater, Sohn und Geist, er ist es nicht bloß nacheinander und nicht nur miteinander, sondern ineinander. Und auch dafür haben die Theologen der ersten christlichen Jahrhunderte ein Bild erfunden. Sie sagen: Gott ist dreifaltig. Es gibt drei Weisen, in denen sich das Geheimnis allen Lebens ausgesprochen hat: Vater, Sohn und Geist. Und weil dieser Gott eben ein Geheimnis ist und nicht etwa ein Rätsel, hat er sich so gezeigt, wie er wirklich ist. In ihm selbst geht es sehr lebendig zu, in ihm ist Gemeinschaft und Begegnung, sein Wesen ist Liebe. Dass Gott dreifaltig ist, hat dabei nichts mit Mathematik zu tun: „1 plus 1 plus 1 ist 3 und eben nicht eins.“ Wenn man aber die Zahlen nicht als Ziffern schreibt, sondern als Worte, dann wird es klar: drei sind eins. Sie sind sich einig.

„Gott ist die Liebe“, heißt es im Neuen Testament (1 Joh 4,7). Das ist für mich der wichtigste Satz der ganzen Bibel. Wenn Menschen Gemeinschaft leben, dann ist das ein Bild der Liebe Gottes. Sie spiegeln damit das Wesen Gottes wider. Der zweitwichtigste Satz der Bibel ist für mich übrigens dieser: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab“ (Joh 3,16). Denn Liebe bedeutet Hingabe. Wo ich mein Leben verschenke, da entsteht etwas Neues, da wird die Welt verwandelt.

Ob Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer, nun Einzelgänger sind oder Partylöwe, ob Sie Events mögen oder Gespräche mit Freunden am Kamin, ob Sie gerne Shoppen gehen oder Gedichte lesen, das tut nichts zur Sache. Dass aber gute Gemeinschaft immer ein Bild der Liebe Gottes ist, das berührt mich tief. Es macht deutlich, dass es nicht egal ist, ob es mich gibt und wie ich mein Leben an andere verschenke. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, sagt Martin Buber. Recht hat er.

Aus Ahaus grüßt Sie Pfarrer Stefan Jürgens

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