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Kirche in WDR 4 | 24.06.2019 | 08:55 Uhr

Namenstag

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja.

Würde mein Vater noch leben hätten wir gestern gefeiert. Bei meinen Eltern zu Hause. Wir hätten ein paar Stühle auf die Pflastersteine nach draußen gestellt. Es hätte einen Erdbeerkuchen gegeben. Mit Sahne. Eine gute Tasse Kaffee. Denn mein Vater hieß Hans, also eigentlich Johannes. Und heute hätte er Namenstag wie alle anderen Menschen, die Hans, Johann – in Köln meistens „Scheng“ gerufen – Johanna oder Hanne heißen. Herzlichen Glückwunsch allen, die diesen Namen tragen! Und weil am Sonntag die meisten Menschen frei und somit Zeit haben hätten wir gestern schon mal vorgefeiert.

Ich bin im Bergischen Land aufgewachsen. Und dort war der Namenstag immer wichtiger als der Geburtstag. Seltsame Sache. Zwar ist auch zum Geburtstag die Verwandtschaft vorbeigekommen. Aber Geschenke und Bewirtung sind dann immer eine Nummer kleiner ausgefallen. Es sei denn, der Geburtstag ist ein runder gewesen. Da haben wir das Wohnzimmer abgebaut und ein kaltes Buffet aufgebaut mit Frikadellen, kaltem Braten, Nudelsalat, gefüllten Eiern, Kaviarbrot und Kräuterbutter. Aber nur dann.

Der Namenstag hingegen ist immer in Ehren gehalten worden. Gutes Essen. Eine gute Flasche Bier. Ein Schnaps hinterher. Und dann haben die Onkel die Doppelkopfkarten rausgeholt und Karten gekloppt, dass uns Kindern, die wir ein Stockwerk höher im Bett gelegen sind das Einschlafen schwer gefallen ist. Zack, zack, warum hast du nicht bedient, du hast den Fuchs hergeschenkt, das war ein schönes Spiel.

So hat es jedes Jahr eine Tournee der Namenstage durch die Verwandtschaft gegeben: Agnes im Januar bei uns, Josef im März in Biesfeld, Hans im Juni bei uns, Bruno im Oktober in Eichhof, Hubert im November in Bergisch Gladbach. Zack. Wieder ein Jahr vorbei. Und bis auf wenige Nuancen sind die Feiern immer gleich gewesen. Essen. Trinken. Lachen. Karten spielen.

Heute hätte also mein Vater Namenstag. Hans bezieht sich auf Johannes, den Täufer. In der Bibel ist er derjenige, der Jesus voran geht. Ich habe an ihm immer bewundert, dass er aus wenig viel gemacht hat. Er hat Heuschrecken gesammelt und gegessen. Insekten haben viel Eiweiß und sind insofern sehr nahrhaft. Ein kluger Mann. Wie mein Vater, der es immer geschafft hat, im Gemüsegarten aus der allerletzten Krume noch eine Kartoffel zu ziehen.

Gestern haben wir nicht auf den Pflastersteinen im Hof meiner Eltern Erdbeerkuchen gegessen. Und Karten gespielt haben wir auch nicht. Denn mein Vater ist schon viele Jahre tot. Seinen Namen allerdings hat er weitergegeben an meinen Bruder.

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Bei Jesaja lese ich das. Erlöst ist also, wer einen Namen hat. Das heißt ja: Der brauch keine Angst zu haben. Denn wer bei seinem Namen gerufen wird ist kein Niemand. Sondern ein Jemand.

Das macht Gott. Beim Namen rufen. Das hat mein Vater gemacht. Mich und meine Brüder. Jeden Tag. So sind wir die Kerle geworden, die wir sind: Hans-Georg, Heribert und Peter.

Danke dafür. Vor allem an einem Montagmorgen. Der heute dein Namenstag ist.


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