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Kirche in WDR 3 | 26.06.2021 | 07:50 Uhr

Betäubt durch's Leben? Welt-Drogentag

Heute ist der „Welt-Drogentag“. Im Jahr 2003 hatte die UNO diesen Gedenktag ausgerufen.  

„Schön,“ werden Sie jetzt sagen. „Was hab‘ ich schon mit Drogen zu tun. Ich rauche kein Haschisch, setze mir keine Nadel in den Arm, werfe keine Tabletten ein…“ Und im besten Fall tut das der eigene Nachwuchs auch nicht. Das wünsche ich Ihnen und Ihrem Umfeld, dass das Thema Drogen Sie nicht unmittelbar betrifft.

Wobei: Um sich mit dem Thema einmal zu befassen, braucht es gar nicht die Illegalität verbotener Substanzen. Immer wieder machen die Drogenbekämpfer darauf aufmerksam, dass der Einstieg bei fast jedem fließend, fast unbemerkt verläuft. Und nein – ich werde jetzt nicht den moralischen Zeigefinger erheben und das Glas Wein am Abend verteufeln oder das Bier, dass es jetzt endlich nach langen Monaten wieder in der Kneipe gibt. Es geht auch nicht ums leidige Thema Rauchen, das gottseidank auf dem Rückzug ist. Was ich meine, ist das, womit wir uns und unseren Körper alltäglich „betäuben“. Nehmen Sie nur die Angewohnheit, beim Betreten der Wohnung gleich mal den Fernseher einzuschalten, der dann bis spätabends durchläuft, im Zweifel von der Automatik irgendwann abgeschaltet wird. Oder die allgegenwärtigen Ohrstöpsel, mit Hilfe derer sich gerade junge Menschen fast den ganzen Tag beschallen lassen – oft genug bis in die Nacht, wenn sie mit diesen Dingern im Ohr einschlafen. Ich kenne viele Menschen, die ich gewiss nicht „drogenabhängig“ nennen würde, die aber ohne diese Hintergrundbeschallung nicht mehr auskommen. Geräusche als Suchtmittel  - Stille als Entzugserscheinung. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Das tut richtig gut, einmal einen Abend ganz still in der eigenen Wohnung zu verbringen. Gerade in den letzten Monaten der Pandemie habe ich sie immer wieder wohltuend wahrgenommen -die Stille.

Ein anderes Beispiel: Offensichtlich sind die meisten hierzulande süchtig nach Helligkeit. Üppige Straßenbeleuchtungen, Anstrahlung von Sehenswürdigkeiten, taghelle Außenbeleuchtungen unserer Häuser und Wohnungen, Training auf dem Fußballplatz unter vollem Flutlicht... Das alles sind Zeichen von Wohlstand, wo es auch nachts hell ist zeigt man gerne: Hier gibt es Leben, hier geht’s uns gut – wir können uns das leisten. Und oft ist es auch so, dass unser Bedürfnis nach Sicherheit auf diese Weise gedeckt werden kann. Wir betäuben uns mit Licht und heben oft genug den natürlichen Rhythmus von Tag und Nacht auf, was am Ende auch nicht sehr gesund für uns Menschen ist. Dass das, ganz nebenbei erwähnt, auch der Schöpfung nicht gut tut, greift nur langsam als Einsicht um sich: Einmal, weil die Tier- und Pflanzenwelt durch diesem „Licht-Smog“ in ihrem natürlichen Lebensrhythmus gehörig durcheinander kommt. Zum anderen aber auch die Frage der Energie-Ressourcen, die trotz des Einsatzes sparsamer LED-Leuchten doch empfindlich angegriffen werden. Wie heilsam sind da manchmal Orte, an denen es fast mystisch finster ist: Alte Kirchen mit spärlichen Fenstern, in denen das Halbdunkel und die Stille Kraft und eine ganz andere Energie spenden.

Dauerbeschallung und Dauerbeleuchtung: Vielleicht nicht die ersten Themen, die Ihnen gekommen wären am heutigen Welttag gegen Drogenmissbrauch. Aber beide Themen zielen auf die Frage: wovon manche ich mich abhängig?

In diesem Sinne wünsche Ihnen jetzt ein erholsames Wochenende – vielleicht ein bisschen stiller und dunkler – aber immer mit einem wachen Blick auf all‘ das, mit dem wir so alltäglich unsere Sinne ganz unbemerkt betäuben.

Ihr Pfarrer Ulrich Clancett aus Jüchen.

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