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Kirche in WDR 5 | 31.03.2021 | 06:55 Uhr

Betanien

Guten Morgen!

Im letzten Jahr waren - und wohl auch in diesem Jahr sind – die Hotels und Gästehäuser in Jerusalem (Pandemie-bedingt) auch zu Ostern leer – auch das Paulushaus des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, wo ich lebe.

Sonst sind die Unterkünfte gerade zu Ostern, in der Zeit der Hochsaison, überfüllt. Dann müssen viele Gäste außerhalb der Stadt übernachten – z.B. im etwa 10 km entfernten Bethlehem. Das tun manche sogar gerne, weil sie da die Möglichkeit haben, bei palästinensischen Christen unterzukommen.

Zu Zeiten Jesu war das ähnlich: Bei den großen Wallfahrtsfesten wie Pesach/Ostern war Jerusalem überfüllt. Dann war man froh, wenn man in derUmgebung, bei Freunden unterkommen konnte. Den Evangelien zufolge wohnte auch Jesus in seinen letzten Tagen nicht in der Stadt, die vor Pilgern überquoll, sondern außerhalb. Er war bei Freunden in Betanien untergekommen. Morgens ging er über den Berg, vorbei am Garten Getsemani und durchs Kirdontal in die Stadt. Und abends auf dem gleichen Weg zurück.

Betanien lag deshalb schon früh auch auf der Route vieler christlicher Pilger: Von Jericho durch die Wüste kommend, hielt man in Betanien um nur wenige hundert Meter weiter hinter einer Kurve plötzlich die Silhouette Jerusalems zu erblicken.

Heute ist diese Straße durch eine gewaltige Mauer versperrt – Israel hat diese Sperranlage weit ins Westjordanland vorgeschoben. Nur noch wenige Gruppen machen deshalb den nötigen Umweg, um Betanien zu besuchen, der heute nach Lazarus benannt ist: al-Azzariye. Dort steht nämlich beim sogenannten Lazarusgrab eine Kirche, die Pilger besuchen können – um die Geschichte seiner Erweckung zu hören, die das Johannesevangelium erzählt.

Es gibt aber noch eine andere Geschichte, die mit diesem Ort in Verbindung gebracht wird: Die Salbung Jesu kurz vor seinem Tod. Das Markusevangelium erzählt (Mk 14):

Sprecherin:

„Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haupt. Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie fuhren die Frau heftig an. Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein schönes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.“

Ich finde bemerkenswert, dass die Frau in Betanien ein „schönes Werk“ getan hat – wie es heißt. Nicht ein gutes, berechnendes Werk, sondern eines, das einfach Ausdruck ihrer Zuneigung, Verehrung, Dankbarkeit, ja Zärtlichkeit ist. Anscheinend hat sie wirklich etwas vom Evangelium verstanden. Der Evangelist Lukas beschreibt diese Frau an anderer Stelle als „Sünderin“, was lange verstanden wurde als eine Prostituierte. Sie habe viel Liebe gezeigt, weil ihr Jesus viel vergeben hat. Denn das will diese Geschichte eigentlich erzählen: In der Nähe Jesu leben Menschen auf, die verkrümmt sind in sich selbst, die sich selbst nicht mehr ertragen können und nicht wissen, wie sie frei werden können. Sie, die diese Nähe erfahren haben, können danach nicht mehr anders als freigiebig und barmherzig sein gegenüber anderen.

Warum ich das erzähle? Zu ihrem Gedächtnis! So, wie es im Evangelium heißt. Denn ähnlich wie beim Abendmahl wird dadurch immer wieder das Wirken Jesu gegenwärtig.

Aus dem Heiligen Land grüßt Sie Georg Röwekamp.

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