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Kirche in WDR 2 | 26.02.2021 | 05:55 Uhr

Beten

Neulich komme ich zur Essensausgabe bei uns im Gemeindehaus. Alles ist schon vorbereitet, die Tische mit ausreichend Abstand hingestellt und fast alle auch besetzt. Hinten in der Ecke sitzen drei Männer, die ich noch nicht kenne, und spielen Karten. Nicht ungewöhnlich, dass bei uns neue Gesichter auftauchen. Die wenigsten haben wirklich was mit Kirche am Hut. Aber für ein warmes Essen umsonst macht man sich schon mal auf den Weg ins Gemeindehaus.

Ich gehe also ein bisschen herum, gucke hier und spreche da. Und als dann alles fertig ist und es gleich losgehen kann mit dem Essen, da will ich mit den Leuten beten. So wie jedes Mal.

Die drei hinten in der Ecke haben das offenbar nicht mitgekriegt. Also sage ich noch mal, dass wir jetzt kurz bitte innehalten und gemeinsam beten. Aber die hören nicht auf.

Und - tut mir leid, aber da bin ich ein bisschen ausgetickt. Ich hatte sowieso einen heftigen Tag und jetzt echt nicht die Nerven, um noch geduldig zu sein. Bin also zu den dreien hin und hab‘ die ziemlich angebölkt, ob sie denn nicht mal für zwei Minuten ihr Spiel unterbrechen können, wo hier alle gemeinsam beten wollen, und so viel Respekt könnte man doch wohl noch erwarten!

Natürlich haben die drei sich das nicht bieten lassen. Die haben mir ordentlich Contra gegeben und sind dann abgezogen. Spätestens da war mir klar, dass ich völlig überreagiert habe. Ich hab‘ mich bei allen im Raum entschuldigt, aber die Stimmung war natürlich im Eimer. Und nach Beten ist mir mittlerweile selbst nicht mehr zumute gewesen.

 

Ein paar Tage später hab‘ ich einen von den drei Männern noch mal auf der Straße getroffen. Bin natürlich gleich zu ihm hin und hab‘ mich bei ihm persönlich entschuldigt. Das hat er zum Glück akzeptiert. Eigentlich hat er gedacht, Pfarrer müssen immer fromm und freundlich sein. Geduldig und so. „Aber ihr seid wohl auch nur Menschen.“

Bei dem Satz hat er mich angegrinst. Und dann ist der Mann auf einmal richtig ins Reden gekommen: „Mir ist erst durch Ihren Ausbruch so richtig aufgegangen, wieviel Herzblut in dieser Arbeit steckt“, hat er gesagt. „In der Essensausgabe und auch sonst in dem, was ihr in der Gemeinde so macht. Denn, klar, an den Verhältnissen in unserem Viertel ändert das nicht viel. Aber trotzdem hängen sich die Mitarbeiter so ‘rein! Da muss echt ‘ne tiefe Überzeugung hinter stecken. Und ein starker Glaube Deswegen ist Ihnen wohl auch das Beten wichtig,“ hat er noch hinzugefügt und mich dann tatsächlich gefragt, ob ich das nächste Mal für ihn mitbeten kann.

 

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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