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Kirche in WDR 5 | 06.08.2020 | 06:55 Uhr

Bist Du einsam oder alleine?


Ich liebe Einsamkeit. Alleine auf einer Insel, im Wald, am Strand, im Haus? Für mich meist kein Problem. Ich mag es, wenn ich alleine einen Spaziergang mache und niemandem begegne. In meinen Urlauben ist es mir sogar ein Bedürfnis alleine zu sein, Einsamkeit zu genießen. Vielleicht ist das eine Frucht aus meiner Zeit in einem kontemplativen Kloster. Mit Anfang 20 habe ich für eine Zeit lang in einem sehr strengen Kloster gelebt. Da musste ich lernen mit mir alleine zu sein. Ich durfte mit niemandem reden, die tägliche Stille musste ertragen werden und es gab nur sehr wenige Kontakte nach außen. Sie hören, überall stand ein Müssen und ein Zwang dahinter. Ich war zwar freiwillig in dieses Kloster gegangen, aber zwischendurch war es wie ein Zwang. Es blieb mir also nichts anderes übrig als mit mir selbst klar zu kommen und mich da hinein zu finden was ich hatte.

Was mir in dieser Zeit wirklich geholfen hatte, war, dass ich mich nicht alleine gefühlt habe. Da war dieser Gott, der in jeder Situation bei mir war. Ohne gegen irgendwelche Regeln zu verstoßen kamen wir ins Gespräch. Mit Gott öffnete sich ein Horizont, der nicht an den Klostermauern Halt machte.

Das hat mich durch diese Zeit getragen und das hat mich auch heil bleiben lassen. Und auch wenn ich dieses Kloster dann irgendwann verlassen hatte: davon zehre ich bis heute. Denn diese Erfahrung war für mich damals existentiell und trägt mich. Ich hoffe ein Leben lang.

Beiden Begriffen - einsam und alleine, kann ich freie oder beengende, schöne und traurige Gefühle abgewinnen. Es gibt Situationen da möchte ich etwas mit mir selbst ausmachen – vor allem wenn es um schwere Dinge geht. Dann sage oder denke ich „jetzt lass mich (doch) mal allein“. Da brauche ich Zeit mit mir alleine um mich zu sortieren. Manchmal auch um meine Wunden zu lecken. Aber manchmal wünsche ich mir dann doch insgeheim jemanden, der diese selbst auferlegte Einsamkeit durchbricht und dann doch den Arm um mich legt, mit mir schweigt und zeigt, ich höre dir zu, wenn du willst. Ich bin bei dir. Diesen unsichtbaren Arm von Gott spüre ich zum Glück auch.

Es gibt Menschen, die gehen für eine Zeit in ein Kloster, weil sie genau das suchen. Sie fliehen vor Stress, zu viel Verantwortung, zu viel Arbeit. Manchen reicht das Joggen alleine am Morgen oder eine ruhige Minute ohne Medien, zuhause.

Und andere fühlen sich einsam und alleine. Unfreiwillig. Kein Mensch scheint sich für sie zu interessieren, niemand kommt, niemand hört zu, hilft, tröstet, freut sich mit ihnen. Das ist die traurige Seite der Einsamkeit. Leider hat die Coronakrise in vielen solche Einsamkeit verstärkt. Alte Menschen, die noch weniger Kontakte als vorher hatten. Familien, die sich alleingelassen fühlten, am Rande ihrer Belastbarkeit. Arbeitende, die sich von ihrem Arbeitgeber oder dem Staat alleingelassen fühlten. Das hat nichts mit Freiwilligkeit zu tun. Und es ist in keinster Weise erstrebenswert.

Die Seite kenne ich auch. Manchmal bräuchte ich jemanden und niemand ist da, niemand hat Zeit. Manchmal verordne ich mir selbst diese Einsamkeit, weil ich nicht über meinen Schatten springen kann um nach Hilfe zu fragen. Zum Glück passiert mir das nur selten, dafür bin ich viel zu schnell dabei mein Netzwerk an Freunden zu kontaktieren.

Pater Lataste heißt der Gründer des Ordens, in dem ich seit nunmehr 25 Jahren lebe. Und der Gründungsmoment meines Ordens hat viel mit dem Thema Einsamkeit zu tun. Pater Lataste war Gefängnisseelsorger. Und er hatte den einsamen Frauen in einem Frauengefängnis die Wahl vor Augen gestellt, ihr Gefängnis, ihre Einsamkeit in eine freiwillige Klausur umzuwandeln – wie in einem Kloster. Er riet den Frauen, all den Einschränkungen und Grenzen mit Freiheit zu begegnen, indem sie diese an nahmen und damit verwandelten. Und das klappte tatsächlich. Denn es geschieht im Kopf, ob wir Einsamkeit oder Alleine-Sein als Gabe oder Bestrafung empfinden.

Gott, du bist immer da. Ob wir uns einsam und allein fühlen oder nicht. Du lässt uns nicht allein. In einem Psalm steht: auch wenn eine Mutter ihr Kind vergessen sollte, Gott vergisst dich nie!

Diese Erfahrung wünsche ich auch ihnen! Gott sei mit Ihnen!

Ich bin Sr. Jordana aus Schwalmtal-Waldniel

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