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Kirche in WDR 4 | 20.04.2021 | 08:55 Uhr

Bleiben bis zuletzt

Autor: Guten Morgen!

Karin Clahsen begleitet ehrenamtlich Menschen, die aufs Sterben zugehen. Sie erzählt mir von Maria (1):

 

O-Ton 01 Clahsen: Die Maria hatte die Krankheit ALS, diese Lähmung, die kam von unten nach oben stieg die Krankheit.

 

Autor: Wie begleitet man jemanden in dieser Situation? Karin Clahsen hat eine Ausbildung zur Hospizhelferin gemacht: Sie hat sich vorbereitet auf das Zuhören, Mitgehen, Aushalten, Bleiben. Sie erinnert sich gut an Maria.

 

O-Ton 02 Clahsen: Es war wirklich erschütternd, muss ich sagen, sie konnte ihre Tränen nicht mehr abwischen, wenn wir uns unterhielten und die Tränen kullerten. Sie hat mir also auch sehr viel anvertraut und sehr viel erzählt und sie konnte nicht mehr selbstständig trinken. Es war also wirklich, es war wirklich schlimm.

 

Autor: In der ökumenischen „Woche für das Leben“ fragen die Kirchen jetzt: Was heißt Leben im Sterben? Was brauchen Menschen, die schwer krank sind und aufs Sterben zugehen? Über sieben Monate hat Karin Clahsen Maria besucht.

 

O-Ton 03 Clahsen: In einem Gespräch hab´ ich dann davon erfahren, dass die Familie, also ihr Mann, ihre Mutter, sie selber also schon Kontakte in die Schweiz aufgenommen haben. Und dann fiel eben „Dignitas“ und dass das da für sie schon alles geregelt war. Sie hatte alles bezahlt, sie brauchte eigentlich nur hinfahren.

 

Autor: Dignitas ist eine Sterbehilfeorganisation in der Schweiz. Maria hatte vorgesorgt für den Fall, dass sie die letzte Wegstrecke ihres Lebens nicht mehr gehen will. Eine Art Notausgang. Vor gut einem Jahr hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt: Auch hierzulande soll zumindest der assistierte Suizid, also die Beihilfe zur Selbsttötung, ermöglicht werden. Bei Maria kam es am Ende doch anders, erzählt Karin Clahsen:

 

O-Ton 04 Clahsen: Ich hatte das Gefühl, dass sie sich nicht entscheiden konnte. Also sie war hin und hergerissen. Also da kriege ich jetzt auch wieder die Gänsehaut, wenn ich drüber nachdenke. Sie war nicht in der Lage zu sagen: Ja, ich fahr dahin.

 

Autor: Und dann kam dieser eine Tag im August:

 

O-Ton 05 Clahsen: Da war eine Wallfahrt. Und dann hab´ ich zu Maria gesagt: Also morgen gehe ich auf Wallfahrt mit dem Fahrrad und mache dann an dem Wallfahrtsort ein Kerze für dich an und werde für dich beten. Und sie hat gesagt: Ja, nimm mich doch huckepack mit auf dein Fahrrad. Ich sage, das mache ich. Ich nehme dich mit und ich bete für dich. Und an dem Tag ist Maria gestorben. Es hat so sollen sein.

 

Autor: Ihren Notausgang hat Maria am Ende nicht gebraucht. Das ist ganz oft so. Das habe ich selbst als Pfarrer in der Hospizarbeit schon erlebt. Dennoch ist es für viele, die krank sind und aufs Sterben zugehen, gut darum zu wissen – ich könnte, wenn ich wollte.
Zum Glück werden Menschen in Hospizen und auf Palliativstationen gut begleitet. Da ist so viel Leben im Sterben. Als Christ und Seelsorger ist für mich klar: Ganz egal, wie Menschen für sich entscheiden, wenn es um ihr eigenes Leben und Sterben geht - die evangelische Kirche lässt Menschen auf ihrem letzten Weg nie allein, sondern bleibt an ihrer Seite – immer.

 

Es grüßt Sie, (Rundfunk)Pfarrer Titus Reinmuth aus Wassenberg.

 

 (1) Name geändert.

  

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze 

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