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Kirche in WDR 5 | 27.07.2021 | 06:55 Uhr

Blick zurück nach vorn

Guten Morgen.

Von der Gemeinde „Sand in Taufers“ in Südtirol führt ein schöner Weg hinauf zur Franz- und Klara-Kapelle. Durch lichte Wälder und über kleine Holz-Brücken. Immer nah am Reinbach, der sich hier über drei atemberaubende Wasserfälle ins Tal ergießt.

 

Der Franziskusweg ist ein spiritueller Weg. Eine Inszenierung des Sonnengesangs von Franz von Assisi. Ein Lied, das ein einziges großes Lob der Schöpfung ist. Und irgendwie ist dieser Weg auch ein Lebensweg. Aber das erkennt unsere kleine Gruppe erst später. Auf dem Weg zur Kapelle liegen zehn Stationen, an denen wir innehalten und uns besinnen können. Jede beginnt mit „Laudato si o mio Signore“: Ich lobe dich, Gott – für Bruder Sonne, für Schwester Mond und die Sterne, Bruder Feuer, Schwester Wasser, Bruder Wind…. Franz von Assisi nennt alles Geschaffene Bruder und Schwester. Denn es ist ja so: Wir sind mit allem Geschaffenen verwandt und zutiefst voneinander abhängig.

 

Manche Station ist schlicht gestaltet: Bei der Schwester „Mutter Erde“ finden wir ein Kräuterbeet. Eine andere Station bringt uns zum Lachen: In einem Mosaik aus Glasscherben erkennen wir zwischen Mond und Sternen unser eigenes Gesicht. Ja, ja, jeder ist manchmal so ein bisschen sein eigener Planet. Ich kreise schon manchmal ganz schön um mich selbst. Am Feuerplatz gibt’s eine Pause für die Gruppe und leckeres Stockbrot. Danke, uns geht’s wirklich gut.

 

Die Station für Schwester Wasser liegt mitten auf einem großen Felsen im Wasser, nahe an einem Wasserfall. Darauf eine Figur. Sie zieht mit langem Arm unterernährte Menschen aus dem Wasser. Laudato si! Danke, Gott, dass es solche Leute gibt. Aber ob es ihr gelingt, ist noch nicht klar. Denn ein dicker feister Kerl hat sich an die Füße der ausgemergelten Männer und Frauen geklammert und versucht sich an ihnen hochzuziehen auf den sicheren Platz. Nur: Wenn er die Kraftlosen herunterreißt, fallen sie alle; das ist klar. Laudato si? Hier bleibe ich lange stehen. Ratlos.

 

Nach oben wird der Franziskusweg immer schmaler und steiler. Als ich schwer atmend die letzte Stufe nehme, öffnet sich plötzlich ein kleiner Platz vor mir. Mitten darauf ein hölzerner Torbogen. Auf dem rechten Balken das Lebensrad - der Mensch von der Geburt bis zum Tod. Links eine Sanduhr, die Zeit läuft. Das Tor des Todes.

Oben drüber ein Satz aus der Bibel: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür geöffnet.“ (Die Bibel, Offenbarung 3,8) Ich zögere hindurchzugehen. Laudato si o mio signore, hebt Franz von Assisi wieder an und dankt für den Tod genauso wie für Sonne, Wasser und Mutter Erde:

„Ich lobe dich Gott, für unsere Schwester, den leiblichen Tod. Kein Mensch kann ihm lebend entrinnen. Lobt und dankt und dient Gott mit großer Demut.“ So viel Lob für den Tod ist mir zuviel. Aber ich überwinde mich jetzt und gehe unter dem Torbogen hindurch; der Weg ist ausgetreten.

 

Als ich durch bin, drehe ich mich noch einmal um. Und staune: Vor mir öffnet sich der Blick auf das weite, grüne Tal. Von da unten komme ich her. Auf den letzten Metern war es schwer, auch mal zwischendurch. Es gab einiges, mit dem ich nie zu Rande kommen werde. Aber ich habe viel Schönes erlebt. Und jetzt diese unendliche Weite... Ich will auch am Ende nicht undankbar sein.

 

Es grüßt Sie, Pfarrerin Christel Weber aus Bielefeld.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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