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Hörmal | 01.03.2020 | 07:45 Uhr

Brezel-Wissen

Es ist Fastenzeit und ich dachte, ich spreche die kommenden Sonntage hier einmal übers Essen. Dazu gibt es aus christlicher Sicht viel zu sagen.

Wenn Sie zum Beispiel beim Billig-Bäcker am Bahnhof noch schnell eine Brezel kaufen, kommen Sie sicher nicht darauf, dass Sie eine Fastenspeise zu sich nehmen. Und dass mit der Brezel ein Marterwerkzeug dargestellt ist, das wird Ihnen sicher nicht in den Sinn kommen.

Aber es ist so. Kronzeuge hierfür ist der niederländische Maler Pieter Bruegel der Ältere. Vor 460 Jahren hat der ein opulentes Gemälde gemalt: Der Kampf des Karnevals gegen das Fasten. Bruegels Bilder sind ja so was wie die Wimmelbilder des ausgehenden Mittelalters. Und ganz klar darauf zu erkennen: Während die Karnevalisten als „Waffen“ gegrillte Schweinsköpfe ins „Feld“ führen als Zeichen der Völlerei und Genusssucht, sind die Fastenanhänger mit Brezeln ausgestattet.

Warum? Nun, die Brezel gehört zum sogenannten „Gebildegebäck“. Das gibt es in vielen Religionen, aber die Christen haben das zur Meisterschaft getrieben. Sie werden sich wundern, was Sie heute noch so alles essen, das einmal seinen Ursprung in der christlichen Frömmigkeit hatte. Der Christstollen zum Beispiel: Sieht ja aus wie ein gewickeltes Baby. Und dass soll er auch darstellen: Das Christkind, in Windeln gewickelt. Den Weckmann oder Stutenkerl zum Martinsfest, der ursprünglich einen Bischof darstellen soll, kennen Sie auch. Oder das Osterlamm.

Und dann gibt es eben die Brezel, die es vor 460 Jahren auf das Gemälde von Pieter Bruegel geschafft hat. Der Name kommt vom Lateinischen „Brachium“ – was so viel heißt wie Ärmchen. Wenn Sie also mal auf eine Brezel schauen und mit viel Phantasie darin Arme erkennen, dann werden Sie sehen, dass diese in der Mitte verknotet sind. Und das wiederum war damals ein Fingerzeig auf das Leiden Christi. Jesus, der die Hände gefesselt hat, als er von den Soldaten misshandelt wurde.

Also: Darum wimmelt es vor Brezeln in Breugels Gemälde vom Kampf des Karnevals gegen das Fasten: Weil sie in früheren Zeiten darauf hindeuteten, was am Ende der Fastenzeit steht, nämlich das Leiden und das Sterben Jesu Christi. Die Menschen, die früher Brezeln aßen, die wussten das. Ein essbares Christen-Symbol– eine Religion zum Sich-Einverleiben. Das finde ich ebenso sinnenfroh wie sympathisch.

Das zentrale Essen der Christen jedoch ist ausgerechnet kein Gebildebrot. Es stellt nichts da. Ich spreche von der Hostie. Deren Nährwert ist bekanntlich ebenso arm wie ihr Geschmack oder ihre Form. Die Hostie ist wie Bauhaus-Design: reduziert aufs Äußerste. Und wenn Sie einen katholischen Theologen wie mich fragen würden, dann würde ich Ihnen sagen: Aus gutem Grund. Weil die Hostie nach der Wandlung eben kein Symbol ist für den „Leib Christi“. Sondern sie ist „Leib Christi“. Das aber schwere ist theologische Kost. Wie genau das zu verstehen ist, darum ringen die Gelehrten seit Jahrhunderten. Das erspare ich Ihnen heute Morgen einmal. Und dennoch verleibe ich sie mir immer wieder gerne ein: Die Hostie, den Leib Christi – meine Seelennahrung, nicht nur in der Fastenzeit.

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