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Kirche in WDR 2 | 02.08.2021 | 05:55 Uhr

Christian!Eriksen!

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Aber vielleicht gibt der Sommer ja jetzt im August noch mal Gas und zeigt sein spätfreundliches Gesicht. Wir werden sehen. Viele Bilder werde ich mit diesem Sommer verbinden. Natürlich vor allem die schlimme Unwetterkatastrophe an der Erft und an der Ahr. Aber auch an ein anderes werde ich mich lange erinnern.

Es ist bei der Fußball-Europameisterschaft gewesen. Dänemark spielt gegen Finnland. Der dänische Superstar Christian Eriksen befindet sich in der Nähe der Außenlinie, und auf einmal fällt er um. Einfach so. Er ist nicht gefoult worden. Er ist einfach zusammengesackt. Sofort sind Sanitäter auf den Platz geeilt. Alle haben kapiert: es ist ernst. Später ist klar geworden, dass bei Christian Eriksen das Herz stehen geblieben ist. Die dänischen Spieler haben sich um den Spieler und die Sanitäter herumgestellt und eine Wand gebildet und ihn damit vor den neugierigen Blicken der Zuschauer im Stadion und der vielen hundert Millionen Menschen vor den Fernsehern abgeschirmt.

Sicher erinnern Sie sich daran.

Was mich aber besonders beeindruckt hat, das waren die Zuschauer im Stadion. Zunächst sind sie ganz still geblieben. Und auf einmal haben die finnischen Fans den Vornamen des Spielers gerufen, um dessen Leben die Ärzte und Sanitäter da unten gekämpft haben. „Christian!“ hat es durchs Stadion geschallt. Und die dänischen Fans haben dann als Antwort seinen Nachnamen gerufen: „Eriksen!“

Mich hat das sehr beeindruckt und sehr berührt. Ich hab mir das angesehen, während ich selbst ein Stoßgebet zum Himmel geschickt habe und habe gedacht: „Vielleicht ahnen die Menschen, sie könnten selbst dort unten liegen.“ Und dann musste ich wieder mal an diesen Bibelvers denken: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollst du darin nicht ertrinken.“ Denn da haben die Menschen wie aus einem Mund den Namen des Spielers gerufen, der da um sein Leben rang, Christian! Eriksen! Haben sie gerufen. Als wollten sie eigentlich rufen: Christian! Eriksen! Du gehörst doch zu uns! Du sollst leben!“ Beeindruckend war das, und ich hab auf einmal gedacht, wow, jetzt ahne ich, was das bedeutet, wenn Gott meinen Namen ruft, wenn ich mal auf dem Boden liege und nicht mehr kann: Peter! Otten! Du gehörst zu mir! Du sollst leben! Ich stelle mir vor, dass er mindestens mit dieser Wucht ruft, wie die Zuschauer damals bei der EM im Stadion in Kopenhagen. Ich lass dich nicht los, im Leben nicht, in der Krise nicht und auch nicht im Tod.

Ich weiß, darauf zu vertrauen ist nicht einfach. Aber die Geschichte mit Christian Eriksen und den Zuschauern im Stadion macht es mir leichter. Und manchmal, wenn irgendjemand meinen Namen ruft, dann denke ich daran. Und das ist schön. Nicht nur an diesem Montagmorgen.

 

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