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Kirche in WDR 3 | 09.02.2021 | 07:50 Uhr

Danken

Guten Morgen!

Gleich nach dem Aufstehen - noch vor dem Frühstück - erwartet mich jeden Morgen erstmal mein Seelenfrühstück.

Denn jeden Morgen lese ich als erstes die so genannten Losungen. Das sind Bibelverse für jeden Tag. Losungen – das Wort verrät schon: Der Vers wird aus der Bibel ausgelost. Alle Jahre wieder für jeden Tag des Jahres neu. Heute ist es ein Vers aus dem 56. Psalm.

„Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort.“ (Psalm 56,11)

Ein Psalm ist ein Gebet. In diesem Fall ein Lob- und Dankgebet.

Es gibt noch viele weitere: Klagegebete, Gebete mit Bitten für jemand anderen oder für mich selbst…

Manchmal denke ich – ob ein Gebet wirklich wirkt? Es könnte doch sein, dem da oben ist es völlig egal was wir hier unten so beten. Ob Gebete eine Wirkung und einen Sinn haben, das ist eine berechtigte Frage.

 

Gebete sind natürlich keine „Bestellscheine“; keine Tun-Wirkungs-Zusammenhänge. Ich kann nicht beten „lieber Gott tue dies oder lasse das“ und erwarten, dass es dann genauso eintritt. Gebete können aber ganz unterschiedlich wirken.


Die Losung von heute erinnert mich an eine ganz bestimmte Art von Gebeten.

„Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort.“ (Psalm 56,11).

Ich kann in einem Gebet auch einfach mal Gott „Danke“ sagen.

Als Kind habe ich gelernt: Sag´ danke, wenn du etwas geschenkt bekommst. Das ist für mich ganz selbstverständlich geworden. Was ist aber mit all dem, was ich geschenkt bekomme und oft einfach als selbstverständlich hinnehme? Die Luft, die ich atme; die Liebe, die ich erlebe; den Glanz der Sterne bei Nacht. Das hört sich etwas schwülstig an. Vielleicht gerade deshalb, weil ich es im Alltag einfach als selbstverständlich hinnehme und nicht darüber nachdenke. Ich messe diesen scheinbar so selbstverständlichen Dingen gar keine besondere Bedeutung mehr zu. 

„Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort.“ (Psalm 56,11).

Der Psalm ist ein Lob- und Danklied von König David. Er dankt Gott, dass er ihn gerettet hat; gerettet aus der Gefangenschaft; gerettet aus der Todesangst.

Ich musste noch nie um Leben oder Tod bangen. Ich war auch noch nie in Gefangenschaft. Die Angst und die Verzweiflung, die kenne ich aber; die Hilflosigkeit. Noch heute ist mir da eine Situation ganz lebendig vor Augen. Mein Herz klopf noch heute, wenn ich zurückdenke. Ich bin auf einer langen Zugfahrt mit Kindern meiner Pfadfindergruppe an den Bodensee. Wir steigen an einem großen Bahnhof um. Der Zug fährt ab. Alle da!? Aus dem Fenster sehe ich einen meiner Jungs, sechs Jahre alt. Er steht alleine noch auf dem Bahnsteig. Mein Herz rast. Ich habe die Verantwortung. Eine Stunde später, am nächsten Bahnhof, ist er wieder da. Hilfsbereite Mitarbeiter der Bahn hatten sich um ihn gekümmert.

Irgendwie keine große Sache und für mich damals doch ein Moment der größten Hilfslosigkeit. Nicht aussichtslos und doch zum Verzweifeln.

 

„Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort.“ (Psalm 56,11).

Auch „rühmen“ klingt ein wenig schwülstig und hochtrabend. Das klingt wie große Lobeshymnen, nach hohem Chorgesang oder ausgefeilter Gebetspoesie. Dabei kann Rühmen so einfach sein. Ein einzelnes kleines Wort ist genug: Danke!

 

Ihr Pfarrer Oliver Mahn aus Köln.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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