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Kirche in WDR 3 | 20.04.2020 | 07:50 Uhr

Das Leben geht weiter

Guten Morgen!

Das Leben geht weiter.

Ich erinnere mich: hundertmal habe ich diesen Satz gehört. Das Leben geht weiter. Damals, in den Monaten, nachdem mein Vater früh und plötzlich gestorben war. Immer wieder dieser Satz, von Freunden, Verwandten, Kollegen so gesagt. In bester Absicht, mich zu bestärken, meinen Blick nach vorn zu wenden, mir auf die Füße zu helfen. Nur Mut. Das Leben geht weiter.

Und ja, es stimmt ja auch, selbst für Trauernde. Das Leben geht weiter. Einatmen. Ausatmen. Schlafen. Wachen. Funktionieren. Durch den Alltag gehen. Ist wie ein Geländer, auf das man sich stützt, solche Alltagsroutine. Die Wohnung ordnen, das Übliche arbeiten, Unumgängliches tun. Tatsächlich: Das hilft.

Aber ist das schon alles?

Das Leben geht weiter.

Was gäben wir drum, wenn das Leben nun heute tatsächlich einfach so weiterginge. Wie wir es gewohnt sind und kennen. Montagmorgen, Ferienende, ganz normal, was gäben wir drum. Die Kinder zur Kita, die Schüler zur Schule, das Land an die Arbeit, und wer Zeit hat in Geschäfte, Cafés und Restaurants, am Abend ins Theater oder Kino.

Was gäben wir drum, heute am Montag, eine Woche nach Ostern 2020.

Aber ist das schon alles?

Das Leben geht weiter.

Meine Lieblings-Ostergeschichte erzählt eben davon. Wie das Leben weiter geht. Und doch nicht einfach so.

Die Geschichte erzählt von den Jüngern Jesu. Die mit ihm durchs Land gezogen waren. Kranke heilen, Kinder segnen, Hoffnung wecken, Traurige trösten, Frieden verkünden, Liebe zu den Menschen tragen, ohne Wenn und Aber. Das war sein Weg. Dann sehen sie ihn sterben. Am Kreuz. Alles umsonst? Danach diese unglaublichen Dinge. Ein leeres Grab. Unbegreifliche Begegnungen mit dem, der doch tot ist. Wie kann das sein, wo führt das hin?

Und dann dies: „Ich gehe fischen.“ Sagt Simon Petrus. „Ich gehe fischen.“ Will sagen: Zurück zur Normalität. Zurück in den alten Alltag. Fischer waren sie gewesen, bevor die große Hoffnung sie von den Booten holte. Ihm zu folgen. Lange her, dieser Aufbruch.

Jetzt also lieber: Zurück in den Alltag. Da kennt man sich aus. Routine am See. Ab auf die Boote. Netze raus. Fischen wie immer, ganz normal.

Begeistert sind sie nicht. Aber was will man mehr?

Die traurigen Gestalten ziehen los aufs Wasser, aber sie ziehen keinen Fisch an Land. . Nichts. Bis sie plötzlich den auferstandenen Jesus am Ufer sehen. Steht da. Ruft sie. Lädt sie ein, mit ihm zu essen, Brot und Fisch. Wie damals. Und schickt sie dann noch einmal von den Fischen zu den Menschen. Zu heilen. Zu trösten. Von Hoffnung und Frieden zu reden. Menschenliebe mit Leben zu füllen.

Das Leben geht weiter. Ja, Gott sei Dank. Auch heute.

Wo man Kranke pflegt. Wo die Freundin zum Telefon greift. Wo einer einkauft für die alten Nachbarn. In den Kindergärten, wo Erzieherinnen sich auch jetzt um Kinder kümmern, damit Pfleger, Ärztinnen, Polizisten ihre Arbeit tun können.

Das Leben geht weiter. Wo ich einen Brief, einen Gruß, eine Kurznachricht sende – einfach so. Jedes Hoffnungszeichen zählt.

Das Leben geht weiter als nur in den Alltag zurück. Wo der Mensch im Blick bleibt. Weil Gott das so will.


Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen, Ulf Schlüter, Bielefeld.




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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