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Kirche in WDR 4 | 01.06.2020 | 08:55 Uhr

Das Leben schmeckt wieder – Pfingstkraft

Guten Morgen!

Seit Anna gestorben ist, weiß Klaus nicht so recht, wie es weitergehen soll. Wäsche waschen, bügeln, kochen, das hat alles sie gemacht. Und er hat dafür alles repariert, sich um die Finanzen gekümmert. Klassische Rollenaufteilung. Hat 40 Jahre gut funktioniert, findet er. Wenn jemand fragt wieso, dann sagt er: „Wir hatten gemeinsame Ziele: Kinder groß ziehen, Ehrenämter in Sportverein und Kirchengemeinde. Wir hatten immer gerne Gäste.“ Doch jetzt sind die Kinder in alle Winde zerstreut, Anna nicht mehr da und Klaus steht alleine vor dem Herd und stellt fest: Alles, was er kochen kann sind Spiegeleier. Er hat Lust, seinen besten Freund für ein paar Tage einzuladen. Der wohnt 300 Kilometer weg. Aber das darf er bei der Pandemie jetzt nicht. Klaus fühlt, wie ihm so ganz langsam eine unsichtbare Macht die Kraft aus den Knochen saugt.


Auch sie fühlen sich kraftlos. 120 Leute, Männer und Frauen in Jerusalem. Sie hatten die gleichen Ziele. Jedenfalls bis vor ein paar Wochen. Und einen, der sie geeint hat. Ihr Meister und Lehrer. Er gab die Richtung vor. Klare Rollenaufteilung. Dann das verstörende Drama:

Jesus wird gefangengenommen. Getötet. Und dann - kaum zu fassen – ist er auferstanden und verschwindet von der Erde. Das alles ist äußerst verwirrend. Beängstigend. Nicht nur, dass er weg ist. Sie haben Angst, selbst denunziert zu werden, gefangen genommen. Was sie jetzt brauchen, ist ein Plan. Seine Kraft hatte sie immer weiter getragen. Ganz gleich was passiert ist. Darauf haben sie sich immer verlassen. Und jetzt hat keiner von ihnen das Rezept für´s Weiterleben. Und dann geschieht etwas. Etwas, das Jesus ihnen versprochen hat. „Jetzt seid ihr traurig.“, hat er gesagt. „Doch ihr werdet in wenigen Tagen die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“ Und nun spüren sie es: Die Lähmung weicht aus ihrem Körper. Die Angst wird kleiner. Sie spüren die Lust, von ihrem Glauben zu erzählen. Öffentlich. Herz und Mund fließen über, sie erzählen Geschichten von Gott, von seiner Liebe zu den Menschen. Dass er nah ist. Dass er da ist. Dass wir menschlich bleiben sollen. Einander helfen in der Not. Und der Heilige Geist bewirkt noch mehr: Sie werden verstanden – von Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Nationalitäten. Sie alle sind an Pfingsten in Jerusalem. Erstaunlich: Sie alle hören diese Predigten in ihrer eigenen Sprache. Die Worte gehen ihnen zu Herzen.


Klaus steht vor dem Herd. Kraftlos. Doch dann. Sein Sohn ruft an. Er arbeitet in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt. „Papa, du wirst Opa. Wir haben die kleine Samira adoptiert.“ Nun hat ein Kind mehr - sein Enkelkind - die Chance, zu überleben. Durch Corona werden womöglich doppelt so viele Menschen in Afrika hungern als zuvor.


Als Klaus aufgelegt hat geht er an den Kühlschrank. Was für eine Fülle. Er schämt sich. Und spürt eine große Dankbarkeit. Er pfeift auf ein Rezept. Schnippelt, brutzelt. Hmh. Das Leben schmeckt wieder. Auch diese Zeit wird vorbeigehen. Die Pandemie wird ein Ende haben. Und so lange wird er noch ein bisschen kochen üben. Schließlich will er Samira und seinem Freund ein guter Gastgeber sein.

Frohe Pfingsten.


Wünscht Ihnen, Petra Schulze, Rundfunkpfarrerin in Düsseldorf.

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