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Kirche in WDR 4 | 02.11.2020 | 08:55 Uhr

Das Licht der Welt

Guten Morgen!

Manche Erlebnisse bleiben in Erinnerung:

Es ist der Abend vor dem Gottesdienst. Ich bin allein in der Kirche, um den Abendmahlstisch besonders zu schmücken. Am Ende betrachte ich mein Werk. Gut sieht es aus - nur für die große Altar-Kerze ist eigentlich kein Platz mehr. Durch sie wirkt der Tischschmuck irgendwie überladen.

Normalerweise brennt diese Kerze in jedem Gottesdienst. An ihr zünden wir die Teelichter für die Verstorbenen in der Gemeinde an - verbunden mit den Worten: „Jesus Christus hat gesagt: Ich bin das Licht der Welt.“ (Die Bibel, Johannes 8,12) Mit diesen kleinen Lichtern erinnern wir an die Verstorbenen. Da wir im Moment aber keine Sterbefälle haben, zögere ich nicht lang und stelle die große Altar-Kerze kurzentschlossen zur Seite.

Jetzt bin ich mit dem geschmückten Abendmahlstisch zufrieden.

In diesem Moment geht die Kirchentür auf. Wer das wohl ist? Von außen war nicht erkennbar, dass die Kirche offen ist. Eine ältere Frau mit einem Kinderwagen schiebt sich durch die Tür. Ich kenne sie nicht… gehe ihr entgegen. Sie bleibt stehen und bekreuzigt sich. Auf meinen Gruß hin antwortet sie mir in russischer Sprache. Schnell merke ich, dass wir uns nicht durch Worte verständigen können. Die Sprache der jeweils anderen ist uns völlig fremd. Aber reden möchte die Frau anscheinend gar nicht. Sie nickt mir kurz zu und schiebt den Kinderwagen sehr zielsicher den Gang entlang bis nach vorn. Vor dem Abendmahlstisch bleibt sie stehen, greift in ihre Tasche und holt zwei rote Grablichter hervor. Ohne Zögern stellt sie sie genau an die Stelle, wo ich zuvor unsere große Altar-Kerze weggenommen hatte. Als sie mich mit einem fragenden Blick ansieht, nicke ich ihr zu. Sie holt Streichhölzer hervor und zündet die beiden Kerzen an. Sie hat wirklich an alles gedacht. Nach einem - wie ich annehme - russischen Gebet nickt sie zufrieden und sieht mich an. Nun ist Zeit für ein Gespräch mit Gesten. Ich schaue in den Kinderwagen und wir lächeln beide über das schlafende Kind. Vielleicht hat sie die Kerzen für das Kind und ihre Familie angezündet. Leider kann ich sie nicht verstehen, aber sie wirkt zufrieden. Ihre Aufgabe ist erfüllt. Dann nickt sie mir noch einmal zu und verlässt die Kirche. Wie vom Donner gerührt bleibe ich zurück. Ich gehe zum Abendmahlstisch und starre die beiden Kerzen an. Mit einem Blick gen Himmel murmele ich etwas selbstironisch: "Danke, Herr, ich habe es verstanden. Eine Kerze habe ich weggestellt und zwei sind zurückgekommen! Du bist `das Licht der Welt` und manchmal brauchen wir konkrete Zeichen wie diese Kerzen, um daran erinnert zu werden."

Die Begegnung mit der Frau hat mich noch lange beschäftigt. Und die Gottesdienstgemeinde hat geschmunzelt, als ich am nächsten Morgen die spezielle Dekoration unseres Abendmahlstisches erklärt habe.

Ich möchte wachsam bleiben für die kleinen, aber bedeutsamen Begegnungen im Leben. Sie könnten ein Fingerzeig des Himmels sein. Möge das Licht der Welt Ihnen allen, die Sie jetzt zuhören, Ihren Tag erhellen.

Gott befohlen! Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin in Augustdorf.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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