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Sonntagskirche | 07.04.2019 | 08:55 Uhr

Das unerschrockene Wort

Guten Morgen!

Es gibt Sätze, die sind mir immer im Gedächtnis geblieben.
Wie dieser:
„Vergessen Sie nie, Engel haben oft seltsame Kleider an.“ Ihn gab mir ein alter Pfarrer mit auf den Weg, als ich meinen Dienst in der Kirche begann.
Engel haben oft seltsame Kleider an – den Pfarrer hatten unterschiedlichste Menschen vor Schlimmerem bewahrt - in der Nazizeit. So rief ein Schaffner in der Wuppertaler Schwebebahn laut ins Abteil: „Sie sind doch von der Geheimen Staatspolizei. Holen Sie wieder unseren Pastor ab? Der sagt, Sie hätten ihn eingeladen mitzukommen... Wollen Sie nun für ihn bezahlen oder nicht?“

Der Schaffner hatte erreicht, was er wollte. Schnell breitete sich in Wuppertal-Barmen aus, dass die Gestapo dem Pastor wieder nachstellte. Der wurde nur verhört und hatte dann wieder Ruhe für ein paar Wochen. Engel haben oft seltsame Kleider an -der alte Pfarrernannte mir Gefängnisaufseher, zufällige Passanten, Kommunisten, ja selbst den Chef der Geheimen Staatspolizei vor Ort. Sie waren ihm beigesprungen durch ein unerschrockenes Wort oder eine unerschrockene Tat.

Rückgrat zeigen, Eintreten für das Leben - gegen Erniedrigung, Entrechtung und Gewalt, dabei eigene Nachteile in Kauf nehmen - das ist Zivilcourage. Von alters her ist dies das Thema des heutigen Sonntags in der Passionszeit. Er trägt den Namen Judika, das bedeutet: Gott um Recht bitten und Gerechtigkeit, sich selber dem Unrecht in den Weg stellen; Haltung zeigen. Wer einfach zusieht, wie andere ihrer Menschlichkeit beraubt werden oder ihrer Zukunft, der steht in Gefahr, selber seine Menschlichkeit zu verlieren.

Der Theologe und Schriftsteller Lothar Zenetti bringt treffend auf den Punkt, was dran ist:

Sprecherin:
Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führt aus.
Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen.
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.
Wenn alle mittun, steht allein.
Wo alle loben, habt Bedenken.
Wo alle spotten, spottet nicht.
Wo alle geizen, wagt zu schenken.
Wo alles dunkel ist, macht Licht. (1)

Licht ins Dunkel bringen, der Wahrheit Raum geben – das war nicht nur not-wendig in dunkler Nazizeit, sondern ist es auch heute, etwa, wenn Menschen auf offener Straße angegriffen werden. Erschreckend sind auch das Abschmelzen der Pole, das Insektensterben oder der Wahnsinn, dass bald mehr Plastikteile in den Ozeanen schwimmen als Fische. Wie gut, wenn junge Leute heute dagegen aufstehen. Es ist immer wieder wahr: „Wer zur Quelle will, der muss gegen den Strom schwimmen.“

Und deshalb bitten Christen im Gottesdienst heute mit diesen Worten der Bibel: „Schaffe mir Recht, o Gott.Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten... und bringen zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist.“

So wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Quellen:
Aus: Lothar Zenetti: Auf Seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. (Topos 327). Matthias-Grünewald-Verlag der Schwabenverlag AG. Ostfildern 4. Auflage 2006.

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