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Kirche in WDR 2 | 30.12.2020 | 05:55 Uhr

Dazwischen

Autorin: Eigentlich liebe ich diese Zeit – nach Weihnachten und vor Silvester. Es ist eine Zeit zwischen den Zeiten. Eine ruhige Zeit. Oft mache ich es mir gemütlich und gönne mir Momente, um auf das alte Jahr zurückzuschauen und nach vorne zu blicken. Doch in diesem Jahr ist irgendwie alles anders. Die Zeit, in der wir gerade leben, kommt mir schon die ganze Zeit wie ein „Dazwischen“ vor.

 

Rezitatorin: Jeden Tag packe ich den Koffer ein und dann wieder aus. Morgens, wenn ich aufwache, plane ich die Rückkehr, aber bis Mittag gewöhne ich mich mehr an Deutschland.

 

Autorin: schreibt die türkische Schriftstellerin und Linguistin, Alev Tekinay, in ihrem Gedicht „dazwischen“. In ihrem Werk beschreibt sie das Leben in einem Dazwischen-Raum - als Migrantin in Deutschland. Hin und her gerissen.

 

Rezitatorin: Ich ändere mich und bleibe doch gleich und weiß nicht mehr, wer ich bin. Jeden Tag ist das Heimweh unwiderstehlicher, aber die neue Heimat hält mich fest Tag für Tag noch stärker.

 

Autorin: Ich sehne mich auch nach dem alten Leben zurück, vor Corona. Manchmal treibt es mir Tränen in die Augen, wenn ich Filme sehe, wo Menschen sich ohne Angst nahe kommen und keinen Mund-Nasenschutz tragen. Oder wild feiern. Singen und Tanzen. Manchmal habe ich Heimweh danach, obwohl es noch nicht mal ein Jahr her ist, seit die neue Zeit der Vorsicht da ist.

 

Rezitatorin: Und jeden Tag fahre ich zweitausend Kilometer in einem imaginären Zug hin und her, unentschlossen zwischen dem Kleiderschrank und dem Koffer, und dazwischen ist meine Welt.

 

Autorin: Zwischen Kleiderschrank und Koffer diese Träume. Von der Welt wie sie war und nicht mehr ist. Tekinay träumt von ihrem fernen Mutterland der Türkei und der neuen Heimat Deutschland. Was für eine enorme Leistung: Das eigene Land zu verlassen – aus welchen Gründen auch immer – und ganz woanders neu zu starten. Um diese Zeit des Dazwischen gut durchzustehen, braucht es Stärkung auf dem Weg. Für manche sind es Gedichte, für andere die Musik, Telefonate mit Freunden. Für mich ist es auch der Glaube. Ich glaube, dass alles seine Zeit hat und von Gott gesegnet ist – auch die Zeit dazwischen.

 

 

 

Weitere Informationen:

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Alev_Tekinay (zuletzt abgerufen am 14.12.20)

http://www.poesiepfad.de/documente/Tekinay%20-%20Dazwischen.pdf (zuletzt abgerufen am 14.12.20)

 

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

 

 

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