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Kirche in WDR 4 | 02.03.2021 | 08:55 Uhr

Den Kern herausarbeiten

Die meisten meiner Möbel haben keine schwedischen Namen. Aber sie hätten reichlich Geschichten zu erzählen, wenn sie könnten.

Ja, ich gestehe: ich habe ein Herz für Möbel. So wie es Menschen gibt, denen regelmäßig bedürftige Tiere entgegenkommen, die sich kümmern um Igel, Eichhörnchen und Vögel… So geht es mir mit alten Möbelstücken. Ich laufe an einem Sperrmüllhaufen vorbei und entdecke einen Stuhl, der dringend vor der Schrottpresse gerettet werden müsste. Mitunter ernte ich dafür ungläubige Blicke, denn das, was ich da nach Hause trage, sieht in vielen Augen mehr als schrottreif aus. Aber ich ahne den guten Kern hinter der schäbig gewordenen Hülle. Und den will ich hervorholen.

„Was dieser Tisch wohl schon so alles erlebt hat?“ frage ich mich dann, beim abschleifen, lasieren und leimen. Antworten bekomme ich keine. Aber ich lebe so gerne mit diesen Vermutungen unter einem Dach. Dass jemand voller Stolz irgendwann in den 20er Jahren meinen Kleiderschrank geschreinert und zum ersten Mal aufgestellt hat. Wie jemand ebenso voller Stolz auf das Prachtstück vermutlich die Wäsche der gesamten Familie eingeräumt hat. Säuberlich getrennt nach Alltags- und Sonntagskleidung.

Stumme Zeitzeugen sind sie diese Fundstücke, die mir deutlich machen: Ich bin auch nur ein kleiner Teil dieser Geschichte. Lange vor mir gab es Menschen mit Alltag und Dramen, mit Dingen, die aufbewahrt werden sollten und Tischen an denen sie mit anderen zusammenkamen. Und lange nach mir geht das weiter.

 

So sehr ich fluche, wenn ich neue Möbel aufbaue – so sehr grinse ich, wenn ich diese alten Fundstücke aufbereite. Sie erinnern mich daran, dass wir Menschen verbunden sind – über Jahrzehnte, Kilometer und individuelle Lebenserfahrungen hinweg. Ich will sie nicht missen, diese Zeitzeugen aus Holz.

Und mitunter frage ich mich, ob es daran liegt, dass ich noch katholisch bin? Ob ich in der Kirche wie bei alten Möbelstücken den Kern ahne und mich nicht von dem abhalten lasse, was auch schäbig ist.  

Diese meine Kirche – an vielen Stellen ist sie wahrlich morsch und schäbig, außen wie innen. Und nicht wenige würden sie deshalb auf dem Schrottplatz der Geschichte entsorgen.

Aber: Mein Möbel-Herz sieht darin auch all die Geschichten, die Erfahrungen, das Lebenswerte,  das hervorquillt, wenn man an der Oberfläche kratzt. Die Kirche ist immerhin aus über 2000 Jahre altem Holz geschnitzt. Ich ahne den Kern und glaube, es lohnt sich ihn wieder herauszuarbeiten.

Oh ja, es braucht viele, die mit daran schleifen. Und zwar gründlich. Um das zum Glänzen zu bringen, was diese Kirche für Menschen über Jahrhunderte zu einem wichtigen Teil ihres Lebens gemacht hat und noch immer macht. Ein echtes Gemeinschaftsprojekt, ich bin bereit mitzumachen und freue mich über jeden der und jede die dabei ist. Aber eins ist für mich klar: Der Lack muss ab!

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