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Sonntagskirche | 15.12.2019 | 08:55 Uhr

Den kleinen Weg der Liebe gehen

Guten Morgen.

Das große Fest der Liebe steht vor der Tür.

Und ich frage mich oft, wie das geht mit der Liebe.

In diesen Zeiten. Und mitten im Alltag.

 

Mir hilft es, von anderen zu lernen.

Von Dorothy Day (Foto) zum Beispiel.

 

Das Leben hatte sie in die Tiefen des 19. Jahrhunderts geworfen.

Der Hungermarsch in den harten Jahren

der wirtschaftlichen Depression Amerikas

hat sich ihr besonders eingeprägt.

Arbeitslose aus allen Teilen des Landes

machen sich damals auf den Weg nach Washington.

Die zerlumpten Kolonnen

fordern Sozialgesetze und Arbeitsplätze.

In der Hauptstadt werden sie

von schwer bewaffneten Polizeieinheiten empfangen.

 

Die Kirchen halten sich zurück.

Und Dorothy Day merkt,

dass sie nicht länger auf andere warten kann.

Sie wird selbst aktiv.

Von nun an setzt sie sich gegen jede Art

von Ungerechtigkeit ein:

Sie gründet eine Zeitung.

Sie ruft im ganzen Land kleine Arbeitergemeinschaften ins Leben.

Sie geht auf die Straße und kommt ins Gefängnis.

Zuletzt als hochbetagte Frau,

weil sie gegen den Vietnamkrieg demonstriert hat.

 

Nicht an Programme glaubt Dorothy Day, sondern an die Liebe.

Das macht sie unzähmbar.

Ihre kleinen Schritte eröffnen Wege für viele.

Zur inneren Weggefährtin wird ihr

dabei die Karmelitin Thérèse von Lisieux.

Die lehrt den so genannten „kleinen Weg der Liebe“;

sie glaubt daran, dass jeder noch so kleine,

liebevolle Moment die Welt verändert.

 

Auch als Dorothy Day vom Vater ihres Kindes verlassen wird,

gibt sie diese Liebe nicht auf, lebt weiter, liebt weiter,

und sehnt sich nach einer Nähe daru?ber hinaus:

Nach der Liebe eines Schöpfers.

In der Natur wird sie fu?ndig -

sie wird ihr zum Vorgeschmack

auf die ewige Umarmung, wie sie sagt.

Im Alter von 83 Jahren findet sie sie.

Sie stirbt.

 

Genau an ihrem Todestag erblicke ich das Licht der Welt.

Wie nah Leben und Sterben doch beieinander liegen.

Die eine Zeit und die andere.

Wenn ich heute von Dorothy Day lese,

erschrecke ich, wie sich unsere Zeiten ähneln.

 

Doch Dorothy Day ist immer auf der Suche nach Hoffnung;

noch in der dunkelsten Ecke

riecht sie den Duft frischgebackener Brötchen,

trifft sie einen Menschen, der Liebe braucht. 

 

Und so setze ich mir ihre Brille auf,

suche ihren Blick von damals

auf die Welt von heute.

Auf die Kolonnen von Geflu?chteten,

auf das Kriegsgeschacher,

auf meine Verzagtheit

und auf meinen aufkommenden Mut.

 

Ich lese in Dorothy Days Tagebu?chern,

und dann schreibe ich in meine,

bin ich wieder ganz bei mir.

Denn das hätte sie wohl gewollt.

Dass jede und jeder bei sich selbst anfängt,

anstatt andere zu Heiligen zu machen.

 

Heute ist Sonntag.

Ein Tag, an dem ich mir Zeit nehmen kann.

Ich kann in Büchern stöbern und dort nach Weggefährt*innen suchen.

Vielleicht finde ich sie auch in der Musik oder in einem Film.

Und vielleicht ist ein Wegbegleiter unter denen,

die um mich sind.

 

Das Fest der Liebe rückt immer näher.

Auf dem Weg dorthin will ich entdecken,

welche kleinen Schritte der Liebe ich gehen kann.

Und ich würde mich freuen, wenn wir uns unterwegs treffen.

Verändern wir die Welt damit.

Heute, am dritten Advent.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

© Text: In Anlehnung an Stephanie Brall et al, Leben lieben: Kreative Inspiration für Feiertage, Allerweltstage und Lieblingstage. bene! Verlag. 2019. S. 43. ISBN 978-3-96340-049-0

 


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