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Kirche in WDR 3 | 25.12.2020 | 07:50 Uhr

Der dessen Name nicht genannt werden darf

Gott sei Dank ist heute Weihnachten. Denn dann kann ich ganz entspannt von Jesus reden, was ja sonst immer ein bisschen schwierig ist, denn Jesus beim Namen zu nennen ist manchmal so ähnlich wie bei mächtigen Bösewichten, über die nur so gesprochen werden kann: Er, dessen Name nicht genannt werden darf.

Besonders schwierig ist das in der Schule. Da habe ich zwar als Katholischer Religionslehrer am Berufskolleg die Möglichkeit über ziemlich viele Themen zu reden, aber Jesus da ganz unter den Tisch fallen zu lassen wäre ja schon so etwas wie Verrat. Außerdem würde ich dann ja auch über die ganzen guten Ideen und frohen Botschaften aus seinem Repertoire hinweggehen.

Wobei – einfach ist das heutzutage nicht. „Jesus stinkt“, hat da letztens ein Schüler von hinten gerufen. Konnte ich nicht ignorieren. „Bitte?“ frage ich leicht genervt nach. „Naja“, meint der Schüler recht lässig, „ich kann diesen Namen echt nicht mehr hören. Immer das Ganze mit der Nächstenliebe, den Wundern, dem Nett-Sein. Das ist doch nicht normal.“ Sehe ich übrigens auch so. Normal ist das nicht. Im weiteren Gespräch kommen wir dann aber auch darauf, was wirklich stinkt, was wirklich stört. „Das Thema Jesus“, sagt man mir, „ist einfach durch. Das hat überhaupt nichts Interessantes mehr. Alles so moralisch.“ Und einer formuliert dann: „Der Jesus der Bibel ist doch so eine Art Übermensch. Der hat doch mit dem normalen Leben nichts zu tun.“

Das sagt viel aus. Weniger über Jesus, viel mehr eigentlich darüber, wie man heute von ihm hört, was man von ihm erfährt. Und das ist dann halt doch eher die sanfte Tour: Jesus, der nette Seelendoktor, der augenzwinkernde Menschenversteher, der beste Kumpel von allen. In seinem penetranten Gut-Sein steht Jesus für viele Menschen auf einer Ebene mit dem Weihnachtsmann. Schlimmer noch: Jesus ist im Vergleich zum Weihnachtsmann dann eher noch der Streber, „an dem man sich ein Beispiel nehmen soll“. Und bei meinen Berufschülern sind Streber nicht die Helden.

Das Schicksal teilt er wohl mit anderen berühmten Personen, die starke Visionen hatten: Mahatma Gandhi, Dietrich Bonhoeffer, Mutter Teresa oder Greta Thunberg – sie können vielleicht nichts dafür. Aber sie nerven meine Schüler. Wegen des ganzen Personenkults, der meist von deren Anhängern derart betrieben wird, dass sie zu ihrer eigenen Karikatur werden, so ausgelutscht gutmenschlich, dass schon beim Klang ihres Namens abgeschaltet wird.

Ob Jesus vielleicht eher auf der Seite meiner Berufsschüler gewesen wäre, wenn er wüsste, was da für eine moralisch uneinnehmbare Festung um ihn aufgebaut wurde? Keine Ahnung. In der Bibel wird jedenfalls klar, dass er ziemlich uneitel mit seiner Person und dem Kult umgegangen ist, der um ihn gemacht wurde.

Denn ihm ging es ja erst einmal gar nicht um sich. Ihm ging es um die Frage, wie jede und jeder Einzelne den Willen Gottes im eigenen Handeln umsetzt. Konkret: Wie handele ich so, dass es am Besten für mich, für die um mich herum und für die ganze Welt auskommt? Das Konzept dahinter heißt im Christentum: Nachfolge. Dabei geht es nie darum, so zu reden oder zu sein wie Jesus. Jesu Leben und Reden kann nicht einfach kopiert werden. Manches muss heute ganz anders angefangen werden als damals.

Und deswegen ist Weihnachten eine Herausforderung: Jesus liegt noch still da und tut gar nichts. Die Engel singen „Frieden auf Erden“ und ich muss jetzt erst einmal schauen, wie ich das heute am Weihnachtstag in meiner Zeit mal selber hinkriege: Frieden halten, hier zu Hause. Und auf Erden.

Und dann finde ich Weihnachten noch klasse, weil ich den Namen Jesus heute so oft singen und sagen kann, wie ich will. Und keiner nimmt es mir übel. Frohe Weihnachten wünscht Christoph Buysch aus Krefeld.

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