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Kirche in WDR 5 | 08.09.2021 | 06:55 Uhr

Der gegeißelte Heiland auf der Wies

Guten Morgen,

wir sitzen andächtig in der berühmten Wieskirche in Bayern. Der Diakon erzählt uns, was die üppigen Bilder und Ornamente in dieser prachtvollen Rokokokirche bedeuten. Besonders angetan hat es ihm die Figur vorne in der Nische mit dem Tabernakel, einem kleinen Schrein für die Figur. Es ist der so genannte „gegeißelte Heiland auf der Wies“ ( 1 ). Dieser Christus ist eine armselige Gestalt, mit einer schweren Kette um den Arm und um den Hals. Sie drückt ihn, sie zwingt ihn, sich vornüber zu neigen, er sieht ins Leere, ausgeliefert, verschreckt, ohne Perspektive. Ein Bild von Folter und Schwäche und Leid. Kein schönes Bild vom Heiland. Die Proportionen stimmen nicht, der Oberkörper zu lang, die Hände zu groß, der Körper ist übersät mit Narben und blutenden Wunden und seltsam verdreht. Bekleidet ist er nur mit einem Lendenschurz. Die rechte Hand streckt dieser Christus aus. Es scheint so, als wenn er uns einladen würde. Über ihm ein goldener Strahlenkranz, ein Heiligenschein. Für diesen gefolterten Christus wurde die Wieskirche gebaut. Dieses mit Gold und Stuck verzierte und überall mit Szenen aus dem Leben Jesu ausgemalte Gotteshaus. Überall sehe ich, wie er sich Menschen zuwendet. Dem korrupten Zollbeamten, der Ehebrecherin, gütig und mitfühlend. In diesem Christus zeigt sich Gott von seiner menschlichen Seite. Kaum zu glauben, dass sich das alles um diese armselige Christusfigur rankt. Auch weil sie eine besondere Geschichte hat. Die Figur wurde um 1730 für eine Karfreitagsprozession gefertigt, und weil sie nicht schön genug war, wieder aus dem Verkehr gezogen. Sie landete auf dem Speicher eines Bauernhofs. Acht Jahre später (am 14. Juni 1738) bemerkte die Bäuerin beim Abendgebet Tränen in den Augen des gegeißelten Heilands. Ein Wunder.

 

Der Diakon interpretiert das so: Die Menschen damals kamen aus dem Krieg. In den Krieg ziehen zu müssen war an der Tagesordnung. Und in den Kämpfen erlebten sie Fürchterliches. Nach Hause zurückgekehrt sahen sie in der armseligen Christusgestalt mit den Wunden und schweren Ketten, in dem gegeißelten Heiland auf der Wies, sich selbst, ihre geschundenen Körper und ihr Leid, das sie durchgemacht haben. Sie sahen in ihm einen Gott, der ihre Not kennt und sie versteht, der mitweint.

 

Wie wichtig und tröstend und wohltuend es ist, so einen Gott zu haben. Auch heute. Gerade in diesen Zeiten, in denen auch wir gegeißelt werden von einem Virus und von Katastrophen, wie den entsetzlichen Überschwemmungen. In denen mancher schreit: Wo bist du, mein Gott? Warum ziehst du mir so den Boden unter den Füßen weg? Warum nimmst du mir den Glauben daran, dass du mich beschützt und behütest?

 

Gott kennt unsere Not, unsere Last, weiß, wie es uns geht. In seinem Sohn Jesus Christus hat Gott selbst Unbeschreibliches durchgemacht. Er trägt unsere Krankheiten und Schmerzen mit. Das gibt Boden unter den Füßen, auch wenn alles wegschwimmt, was bisher getragen hat.


Ihre Pfarrerin Barbara Schwahn, Meerbusch

 

 

Quellen:

(1) Käser Xaver, …bis du kommst in Herrlichkeit. Die Wieskirche in ihren Bildern betend betrachtet, Augsburg 2/2017.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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