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Kirche in WDR 2 | 18.07.2019 | 05:55 Uhr

Der Prediger v.Buchenwald: Paul Schneider – 80. Todestag

Autorin: Das Konzentrationslager Buchenwald 1939. Der kalte Wind fegt über den Appellplatz – die Strafgefangenen stehen in Reih und Glied. In der Ferne sehen sie den Schornstein – er qualmt. Sie meinen, ihn riechen zu können – den Duft – oder ist es Gestank – ihrer verbrannten Kameraden.

„Selig sind die Friedfertigen“, ruft plötzlich jemand aus der Zelle. Es ist Pfarrer Paul Schneider – der Prediger von Buchenwald. Der Jude Ernst Cramer erinnert sich:

O-Ton:Wir haben nur die Stimme gehört – und zwar immer wieder – natürlich unterbrochen durch Schmerzensschreie und Gebrüll von SS-Leuten. Das ist klar.

Ich möchte sagen, dass diese christlichen Worte auch den Juden, die damals da waren, irgendwie eine Art Stärke gegeben haben.“

Autorin: Heute vor genau 80 Jahren wird Paul Schneider im Konzentrationslager ermordet. Der Vorwurf: Widerstand gegen Hitler. Als Hitler 1933 an die Macht kommt, ist er dem Führer gegenüber zunächst positiv eingestellt. Er schreibt:

O-Ton: “Man hat unbedingt den Eindruck, dass Hitler sich vom Geist Gottes bei seinem Reden und Handeln leiten lässt.“

Autorin: Die anfängliche Begeisterung verfliegt schnell. Er weigert sich, den Konfirmandenunterricht mit einem Hitlergruß zu beginnen. 1936 geht er nicht wählen. Bei der Beerdigung eines Hitlerjungen bezweifelt Paul Schneider, dass er nun in den Himmlischen Sturm Horst Wessels übergegangen sei. Eines bereits verstorbenen nationalsozialistischen Vorkämpfers. Paul Schneiders verstorbene Frau Margarete

erinnert sich:

O-Ton: „Heil Hitler, das hat meinen Mann sehr misstrauisch gemacht. Heil, wir haben kein anderes Heil als nur der Name Jesu.“

Autorin: Insgesamt wird er dreimal verhaftet. Als er trotz Verbot in seine Gemeinde zurückkehrt, wird er 1937 in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Zwei Jahre später töten sie ihn – ohne Spuren zu hinterlassen – mit dem Herzmittel Strophantin.

Margarete Schneider holt den Leichnam ihres Mannes im Konzentrationslager Buchenwald ab. Die Beerdigung: Eine riesige Demonstration der Bekennenden Kirche – all jener Pfarrer, die sich gegen Hitler und sein Heil gewehrt haben.

Paul Schneiders Kirche ist nicht einverstanden. Das rheinische Konsistorium sind deutsche Christen, also Nazis. Sie beschweren sich bei der Gestapo, dass sie Schneiders Leichnam frei gegeben haben. Sie sollten ihn doch – so kann man es in der Personalakte nachlesen – auf unbefristete Zeit im KZ Buchenwald belassen.

Das rheinische Konsistorium gibt es nicht mehr – der rechtliche Nachfolger ist die Evangelische Kirche im Rheinland. Sie ist stolz auf Paul Schneider – auf ihren Widerstandskämpfer im Dritten Reich.

Paul Schneider ist seit 80 Jahren tot, na und?

Nein – nicht na, und. Er hat Widerstand gegen die Nazis geleistet. „Man muss Gott mehr gehorchen als dem Menschen“,– manchmal auch als seiner eigenen Kirche. In diesen Zeiten – in diesen rechts extremistischen - sollten wir uns das von Paul Schneider sagen lassen. Märtyrer werden wir deshalb nicht werden. Gott sei Dank!

 

 

 

 

Quelle:

Film von der Evangelischen Kirche im Rheinland. O-Töne sind geklammert aus dem
Film: „Ihr Massenmörder, ich klage Euch an“, Dokumentarfilm 2001,
Regie und Autorin: Sabine Steinwender-Schnitzius, Editorin: Claudia Gleisner

FFFZ Film Funk Fernseh Zentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland

 

 

 

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