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Kirche in WDR 3 | 20.07.2020 | 07:50 Uhr

Der Taucher

Guten Morgen!

Eine Szene, wie man sie sich jetzt im Sommer nicht schöner vorstellen kann: Kopfüber ins Wasser springen und die Kühle und Erfrischung beim Eintauchen so richtig genießen!

Als ich im letzten Herbst im Urlaub die antike Stadt Paestum in Süditalien besuchte, habe ich dieses Bild auf einer Marmorplatte gesehen – und anschließend direkt eine Postkarte mit dem Motiv gekauft.

Was wie ein Freizeitbild aussieht, ist in Wirklichkeit allerdings etwas ganz anderes: Das Bild ist Teil einer altgriechischen Grabausschmückung, die erst vor gut 50 Jahren entdeckt wurde. Forscher haben überlegt, ob dieses Bild vielleicht nur das Hobby des Toten wiedergibt – doch mittlerweile wird von vielen Experten angenommen, dass der sogenannte „Taucher“ mehr ist als eine antike Hobbydarstellung.

Das Bild ist ca. 480 vor Christus entstanden – und stellt das Sterben dar. Von einem zum anderen Moment ändert sich das Leben, so schnell wie ein Sprung: da springt jemand vom Diesseits ins Jenseits. Interessanterweise geht dieser Sprung aber nicht ins Leere, sondern ins Wasser. Nach seinem Tauchgang wartet beim Auftauchen bereits das Jenseits auf den Taucher, so also die antike Vorstellung. Ich würde ergänzen: Was nach dem Sprung folgt, ist eine Neugeburt aus dem Wasser. Denn das Wasser ist hier vom Künstler nicht grundlos gewählt: Es gilt als Beginn allen Lebens und hat in vielen Kulturen eine reinigende Funktion.

Auch wenn dieses Fresko viele Jahrhunderte vor Christus entstanden ist, so fasziniert es mich als Christin und ich finde viele Entsprechungen darin zu meinem Glauben. Im Christentum kommt dem Wasser nämlich eine besondere Funktion zu. Christen werden durch die Wassertaufe in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Dabei werden Sie dreimal mit Wasser übergossen und zwar mit den Worten: im Namen des Vaters – und des Sohnes – und des Hl. Geistes. In der Urkirche wurde sogar der ganze Körper untergetaucht. Deutlich sollte so werden: Jemand taucht unter, um als neuer Mensch wieder aufzutauchen. Das griechische Wort im Neuen Testament für „taufen“ lautet „baptistein“ – und bedeutet eben genau das: unter- oder eintauchen. Mit der Taufe tauche ich also ein in das neue Leben bei Gott. Deswegen passt das Bild so gut: Christen als Taucher. Allerdings ist das mit dem Tauchen als Christ so eine Sache. Mir fallen da Gelegenheiten ein, wo ich nicht ein- oder auftauche, sondern abtauche. Also nicht mehr sichtbar bin. Oder ich bin erst gar nicht bereit zum Tauchen und schaffe schon den Absprung nicht.

Der Grund dafür abzutauchen? Ich weiß ja oft nicht was mich beim Auftauchen erwartet, Und noch grundsätzlicher gefragt: Tauche ich überhaupt wieder auf? Oder ist mit dem Tod alles aus?

Seit der Urkirche wird die Taufe im Christentum praktiziert. Ihren Ursprung hat sie im Tun Jesu, der sich selbst im Jordan hat taufen lassen. Er selbst sagt einmal im Johannesevangelium (Joh 4,9): „Das Wasser, das ich … gebe, (wird) … zur sprudelnden Quelle …, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“

Für mich ist das Motiv des Tauchers ein Bild meines Lebens und Glaubens. Hier wird nicht etwas Statisches gezeigt, sondern eine Bewegung. Abstieg und Aufstieg, sie liegen beieinander, bedingen einander. Ohne Absprung kein Durchtauchen, ohne Abschied vom Alten kein Anfang von etwas Neuem, ohne Tod kein Leben – das Bild des Tauchers macht mir bei allem Zweifel in meinem Leben Mut, immer wieder neu Absprünge zu wagen.

Gut, im Glauben darauf zu vertrauen, dass einer da ist, der das Wasser gibt, das Leben schenkt.

Aus Gladbeck grüßt Sie Meike Wagener-Esser

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