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Kirche in WDR 2 | 02.04.2020 | 05:55 Uhr

Der verlorene Wecker

Die Geschichte vom verlorenen Schaf, die brauche ich Ihnen heute nicht erzählen. Die kennen Sie vielleicht. Aber die Geschichte vom verlorenen Wecker, die kennen Sie nicht. Und daher erzähle ich sie Ihnen.

Und ich erzähle sie deshalb, weil ich Teil von ihr bin. Und weil ich sie erst schräg fand und mir dann ein Licht aufging. Warum schräg? Ich meine: Was gibt es heutzutage Überflüssigeres als einen analogen Wecker? Jedes Handy hat ne Uhr. Mit etwas Glück bekommen Sie nen Wecker für 2 Euro. Also selbst, wenn ich meinen Wecker in München vergessen hätte und ihn mir hätte schicken lassen: Das Porto von 1,55 wäre fast so teuer wie ein neuer.

Ein Freund von mir hat das anders gesehen. Schließlich ist es ja „sein“ Wecker. Und als der kürzlich in München vergessen wurde, möchte mein Freund den zurück haben – und nicht mit der Post. Mein Freund spannt ein paar Leute ein und lässt den Wecker ohne Post reisen. Das einfache Stück verbleibt erstmal noch eine Weile in München. Dann reist der Wecker mit einem Menschen, den der Münchner Kontakt und der Freund kennt, schon mal bis ins Rheinland. Dann komme ich als Botin ins Spiel. Mich erreicht die Nachricht: „Der Wecker ist an einer Rezeption in deiner Gegend auf deinen Namen hinterlegt. Könntest du ihn von dort zu unserm nächsten Treffen mitbringen?“ Der Ort ist 9km von meinem Zuhause entfernt, an keiner meiner üblichen Strecken gelegen, die Abholzeit ist nur tagsüber. Zwei in den Blick genommene Touren platzen, dann klappt es. Ein kleiner analoger Wecker mit einem kleinen Zettel, der mit Tesa befestigt ist, kommt mit mir mit und ich fahr mit ihm an den Niederrhein, wo ich den Freund treffe. Und endlich sind die beiden wieder vereint.

Es hört sich aufwändig an. Es ist aufwändig. Aber ich liebe diese Aktion.
Es ist nur ein kleiner analoger Wecker, nichts Besonderes. Aber, als ich das kleine Stück schließlich in Händen halte, sehe ich es: Er könnte gut 20 Jahre alt sein. Er hat Geschichte. Wahrscheinlich, fällt mir ein, war er mit meinem Freund schon auf drei bis vier Kontinenten. Ein kostbares Stück.
Bei der Wecker-Rückholaktion, bei der ich erst lächelnd mitgemacht habe, wird mir klar: Beziehungen sind das, was die Dinge wertvoll macht. Und Beziehungen können dafür sorgen, dass ein Wecker mit Geschichte schadlos von München übers Rheinland an den Niederrhein kommt – ganz ohne Porto.

Gut, dass du wieder Zuhause bist und sicher demnächst noch einiges von der Welt sehen wirst. Ticke schön lange weiter, kleiner Wecker.

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