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Kirche in WDR 3 | 07.01.2020 | 07:50 Uhr

Der vierte König

Gibt es drei oder vier heilige Könige? Köln verehrt drei heilige Könige. Gestern erst wurde das Fest begangen im stolzen Dom zu Köln. Dabei kenne ich Geschichten von vier heiligen Königen. Wer sich schlau machen will und nach dem vierten König googelt, trifft auf ein französisches Restaurant. Irritiert wird er weiter suchen. In einem zweiten Anlauf findet er den Roman von Edzard Schaper, in dessen Mittelpunkt ein vierter König aus Russland steht. Erst beim dritten Versuch landet er bei einer uralten Legende, die wahrscheinlich der Ursprung ist. Sie erzählt tatsächlich von einem vierten König, der wie die anderen drei in seiner Heimat den Stern gesehen hat. Genau wie sie bricht er auf, um rechtzeitig in Bethlehem zu sein. Drei Edelsteine nimmt er als Geschenke mit. Auf dem langen Weg zur Krippe begegnen ihm drei Arme. Ihr Elend rührt ihn so sehr, dass er sich um sie kümmert. Damit sie keine Not mehr leiden müssen, schenkt er ihnen vor seiner Weiterreise seine Edelsteine. Durch seine tatkräftige Hilfe verzögert sich seine Ankunft. Dreißig Jahre lang ist er unterwegs. Müde und erschöpft  erreicht er sein Ziel. Auf Golgotha ist Jesus gerade gekreuzigt worden. Statt an der Krippe fällt der vierte König mit leeren Händen am Kreuz auf die Knie.

Die Legende war mir nicht bekannt, als mir die Schützenbruderschaft meiner niederrheinischen Pfarrgemeinde beim Neujahrsempfang ein Anliegen vortrug. „Drei Könige stehen an unserer Krippe in der Kirche“, meinte der Präsident, „jedes Jahr krönen wir unseren Schützenkönig. Warum darf er als Figur nicht mit an der Krippe stehen?“ Ich zögerte. „Der Schützenkönig als vierter König?“ Die Herren des Vorstandes versuchten mich zu überzeugen. „Im Kölner Dom stehen Domschweizer an der Krippe. Dann wird es doch am Niederrhein erlaubt sein, die drei Könige um einen Schützenkönig zu vermehren. Der Schützenkönig gehört zu unserem Dorf wie Weihnachten zur Kirche.“  Obwohl ich noch zweifelte, stimmte ich zu. Die Bruderschaft beauftragte einen Schnitzer aus ihren Reihen, der sich sogleich ans Werk machte. Die Frauengemeinschaft nähte eine grüne Uniform, und die Jungschützen löteten eine kleine Silberkette, die ja nach alter Tradition das Zeichen der Königswürde ist. Kurz nach Weihnachten war der vierte Krippenkönig fertig. Auf Wunsch der Bruderschaft wurde er im Festgottesdienst am 6. Januar zum ersten Mal aufgestellt. Viele Bruderschaftler waren in die Kirche gekommen, um den Moment mitzuerleben. Mit ernster Miene trug der Schützenkönig seinen kleinen Bruder an die Krippe. Seit damals wird im Dorf diese Zeremonie jedes Jahr zum 6. Januar wiederholt. Für die Schützen ist das Fest der heiligen drei Könige ein besonderes Ereignis, zu dem auch die Bruderschaftler der Nachbarpfarreien erscheinen. Der vierte König lädt die Menschen ein, Caspar, Melchior, Balthasar und das Krippenkind zu feiern.

Ob nun zu dritt oder zu viert, es ist nie zu spät, um bei Jesus anzukommen. Wichtig ist nur, aufzubrechen und die Not am Weg wahrzunehmen. Wer losgegangen ist, erreicht sein Ziel. Sei es nun die Krippe in Bethlehem oder das Kreuz auf Golgotha.

Bleiben Sie dorthin unterwegs, das hofft Ihr Pfarrer Albert Damblon aus Mönchengladbach.

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