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Kirche in WDR 5 | 07.08.2019 | 06:55 Uhr

Der Weg führt zum Ziel

Komm doch mit!

Im vergangenen Herbst hat mich meine Schwester überredet, mit ihr in Spanien einen Teil des Jakobswegs zu gehen.

Erst war ich nicht davon begeistert und war eher skeptisch: Schaffe ich die weiten Tagesetappen? Bin ich bereit, bei wirklich jedem Wetter zu laufen? Und folge ich hier nicht bloß einer Modeerscheinung?

Guten Morgen!

Die Erfahrungen, die ich dann aber beim Wandern gemacht habe, haben alle Zweifel und skeptischen Fragen weggewischt – trotz aller Anstrengungen. Die Erfahrungen waren vielfältig: Großartige Landschaften und Menschen, schwierige Tagesetappen, schlimmer Muskelkater und immer wieder: erneutes Aufbrechen am folgenden Morgen. Heute kann ich sagen: Es hat sich gelohnt. Der Jakobsweg ist mehr als ein Wanderweg. Er ist ein Pilgerweg.

Unterwegs wünscht man sich oft einen bon Camino – einen guten Weg – so jedenfalls sind meine Schwester und ich viele Male gegrüßt worden. Ganz unterschiedliche Menschen sind uns begegnet, Alte und Junge, Gruppen, Einzelwanderer, Gläubige und Skeptiker. Alle sind unterwegs auf unterschiedlichen Wegen zu dem einen Ziel: Santiago de Compostela. Sinnbild für diese verschiedenen Menschen und die unterschiedlichen Wege zu diesem einen Ziel, ist die Jakobsmuschel mit ihren Fugen, die am inneren Rand der Muschel an einem Punkt zusammenlaufen. Sie ist als Wegzeichen an jeder Kreuzung aufgemalt und viele Pilger haben sie sogar an ihrem Rucksack befestigt. Die Pilgerreise zum Grab des heiligen Jakobus nehmen Menschen seit vielen Jahrhunderten auf sich.

Während ich den Jakobsweg gegangen bin, wurde mir immer deutlicher: dieser Weg ist mehr als eine lange Wanderung, er ist ein Bild des Lebens. Menschen aus verschiedensten Richtungen, aus unterschiedlichen Nationen sind unterwegs. Und dieses Unterwegssein hat für sie alle ein Ziel. Damit ist nicht der Weg das Ziel, wie ich oft lese und höre, sondern der Weg führt zum Ziel. Denn: Nach dem bon Camino, nach dem Weg kommt noch etwas. Nämlich: Die Ankunft am Ziel.

Das war bei meiner Pilgerreise nicht der große Platz vor der Kathedrale mit lautem Trubel und unzähligen Pilgerströmen. Nein für mich persönlich war das Ziel abseits davon. Ich bin in die Kirche hineingegangen und hinabgestiegen in die Krypta. Dort stand ich dann schließlich vor dem Grab des Apostels Jakobus: Ruhe und Ehrfurcht waren zu spüren. Da wusste ich: Hier ist der richtige Ort. Erst hier bin ich am Ziel.

Genau das wünsche ich mir auch für mein gesamtes Leben:

Am Ende meines Lebensweges möchte ich ein Ziel erreichen, von dem ich sagen kann: Hier ist es gut. Hier ist das Ziel. Für mich als Christin ist dieses Ziel Gott. Ich vertraue darauf, dass mein Weg zu einem guten Ziel führen wird. Dieses Ziel beeinflusst meinen Lebensweg jedoch schon jetzt, im lebenslangen Gehen. Der Jesuit Karl Rahner, ein großer Theologe des 20. Jahrhunderts, drückt es so aus: „Wir gehen, wir müssen suchen. Aber das Letzte und Eigentliche kommt uns entgegen, sucht uns, freilich nur, wenn wir gehen, wenn wir entgegengehen.“[1] Und daher möchte ich in Bewegung bleiben auf meinem Lebensweg und dabei das Ziel im Blick behalten.

Aus Gladbeck grüßt Sie

Meike Wagener-Esser

 

[1] Karl Rahner: Alltägliche Dinge. Theologische Meditationen, 12f. (Missio Heftchen S. 8).



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