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Kirche in WDR 3 | 25.12.2019 | 07:50 Uhr

Der Weg nach Bethlehm


Guten Morgen und gesegnete Weihnachten!

Seit vier Jahren wohne ich in Jerusalem. Von hier führt eine breite gerade Straße Richtung Betlehem, die ich oft fahre. Rechts und links sind neue Vororte entstanden, wo früher einmal weite Felder waren, auf denen Schafherden weideten.

Der Weg heutzutage entlang der Häuserschluchten ist nicht gerade idyllisch – und doch haben sich letzte Nacht, nach der Christmette, wieder viele Menschen auf den Weg gemacht, diese acht, neun Kilometer zu Fuß zurückzulegen – so wie jedes Jahr.

Kurz vor Bethlehem muss man einen Checkpoint in der hohen Betonmauer passieren, die das unter palästinensischer Verwaltung stehende Betlehem von Jerusalem abriegelt.

Jenseits des Checkpoints führt die Straße Richtung Geburtskirche und ist beleuchtet von bunten Lichtern, die v.a. Sterne darstellen. Schließlich: der sogenannte „Krippenplatz“ vor der kürzlich eindrucksvoll renovierten Geburtskirche. Ein riesiger, leuchtender Weihnachtsbaum beherrscht den Platz.

Und dann die nächste Mauer, die Mauer der Geburtskirche. Passieren kann man die nur, wenn man sich klein macht. Das ursprünglich große Portal der byzantinischen Basilika ist im Laufe der Zeit immer enger gemacht worden. Der Grund war ein ganz praktischer: man wollte verhindern, dass Reittiere mit in die Kirche gebracht wurden, so wie es in türkischer Zeit passiert war. Da glich die Geburtskirche mehr einer Kaufhalle als einem Gotteshaus. – Aber neben dem praktischen Grund gibt es doch auch einen religiösen Sinn: Der Besucher macht sich klein, schaut nach unten an diesem Ort, wo verkündet wird, dass Gott sich ganz klein gemacht hat. Dass er nicht nur oben im Himmel, sondern hier unten auf der Erde zu finden ist. Und diese Demutsgeste muss man mitvollziehen – ganz sinnfällig beim Eintreten in die Grabeskirche.

Durch das Kirchenschiff geht man dann nach vorn, an den Wänden gleichsam begleitet von den Engeln, die auf leuchtenden, goldgrundigen Mosaiken ebenfalls Richtung Osten schreiten.

Schließlich führt der Weg unter den Chorraum in die berühmte Grotte mit dem Ort unter dem Altar, wo ein silberner Stern verkündet: „Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est.“ „Hier wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren.“

Manchmal, wenn es für einen Moment ganz still ist, trifft mich an diesem Ort diese ungeheuerliche Hier, irgendwo am Ende der Welt, am Rande unseres unendlichen Universums, soll der als Mensch geboren sein, der das alles möglich machte?

Ist das zu glauben? frage ich mich.

Mir hilft da die alte Weihnachtsdarstellung über dem Altar mit dem berühmten silbernen Stern in der Geburtsgrotte. Wie in den Ostkirchen üblich, bildet die liegende Maria den Mittelpunkt. Tatsächlich finden viele orientalische Christen über Maria einen Zugang zur Weihnachtsbotschaft: Sie staunen darüber, dass ein Mensch so offen ist für Gott, dass er in ihr Platz finden kann, Gestalt gewinnen und sogar geboren werden kann. Für diese Christen fängt Weihnachten mit Marias „Ja“ zu Gott an, wie es der Evangelist Lukas beschreibt. Das ist ihnen genug. Und ich sage mir: Vielleicht stimmt das ja. Vielleicht ist das wirklich genug: offen zu sein für diesen Gott. Dann wird Weihnachten.

Aus Jerusalem grüßt Sie Georg Röwekamp.

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